Der japanische Yen ist gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit vierzig Jahren gefallen. Nach Daten des Finanzdienstes Bloomberg kostete ein Dollar zeitweise 162,41 Yen – so viel wie zuletzt 1986. Trotz einer Zinserhöhung der japanischen Notenbank auf 1,0 Prozent Anfang Juni hält der Abwertungstrend an. Marktbeobachter sehen die Marke von 163 Yen je Dollar als nächste kritische Schwelle, wie Apollo News berichtet.
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Nach Einschätzung von Analysten bleibt vor allem die grosse Zinsdifferenz zu den USA der wichtigste Treiber der Entwicklung. Während die Bank of Japan ihren Leitzins nach Jahrzehnten ultralockerer Geldpolitik zwar schrittweise erhöht hat, liegt er weiterhin deutlich unter dem Niveau der US-Notenbank Federal Reserve. Diese hält ihren Leitzins derzeit in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Die Differenz begünstigt den sogenannten Yen-Carry-Trade. Investoren nehmen günstige Kredite in Yen auf, tauschen diese in höher verzinste Währungen und investieren das Geld etwa in US-Staatsanleihen oder Aktien. Gleichzeitig haben spekulative Anleger ihre Wetten gegen den Yen zuletzt deutlich ausgeweitet. Nach Angaben der US-Terminmarktaufsicht CFTC erreichten die Netto-short-Positionen gehebelter Fonds den höchsten Stand seit Ende 2017.
Für Japan hat die Währungsschwäche weitreichende Folgen. Importierte Energie, Lebensmittel und Rohstoffe verteuern sich, wodurch die Kaufkraft vieler Haushalte sinkt. Während exportorientierte Grosskonzerne von höheren, in Yen umgerechneten Auslandserlösen profitieren, geraten kleine Unternehmen und private Konsumenten zunehmend unter Druck. Die Reallöhne stehen weiter unter Druck, während die Lebenshaltungskosten steigen.
Auch für die deutsche Wirtschaft bleibt die Entwicklung nicht ohne Folgen. Der schwache Yen verteuert deutsche Produkte auf dem japanischen Markt und verschlechtert damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure. Dies belastet den Aussenhandel zusätzlich, der bereits seit mehreren Jahren nur schwach wächst.