Journalisten bilden die inoffizielle vierte Gewalt und sollten der Politik kritisch auf die Finger schauen. Immer wieder zieht es sie aber auf die andere Seite – als Sprecher oder Kommunikationsverantwortliche von Regierungsmitgliedern und öffentlichen Ämtern.
Diesen Sprung macht nun auch Sarah Frühauf. Nach fünf Jahren als Korrespondentin im Hauptstadtstudio der ARD wird sie Sprecherin des deutschen Innenministers Alexander Dobrindt (CDU).
Screenshot ARD
Frühauf erlangte im November 2021 zweifelhafte Berühmtheit. In einem Kommentar in den «Tagesthemen» der ARD las sie allen die Leviten, die sich nicht gegen Covid-19 impfen liessen. «Na, herzlichen Dank an alle Ungeimpften», sagte sie mit angewidertem Gesicht und erklärte, diese seien schuld am erneuten Lockdown – weil sie sich unsolidarisch verhielten.
Die Schuldzuweisung ist längst widerlegt. Eine Impfung verhinderte weder Ansteckung mit dem Virus noch dessen Weitergabe. Aber es war die gewünschte Botschaft der Politik – und Sarah Frühauf transportierte sie.
Wie viel nötige Distanz zur Politik kann eine Journalistin in ihrer aktiven Zeit gehabt haben, wenn sie sich nun als beste Wahl für das «Verkaufen» von Regierungsgeschäften aufdrängt?
Auch in der Schweiz wirken zahlreiche ehemalige Journalisten heute an der Seite von Politikern, Behörden und Ämtern. Der Vorteil: Über die weitere Karriere müssen sie sich danach nie wieder sorgen machen.
Ein gutes Beispiel dafür ist Gianna Blum, die ehemalige Bundeshauskorrespondentin beim Blick. 2022 wechselte sie als Co-Leiterin Kommunikation zum damaligen Innenminister Alain Berset. Diesen hatte sie in der Corona-Zeit mit einer Serie freundlicher, unkritischer Interviews bedient.
Als Berset zum Europarat weiterzog, musste Blum allerdings nicht auf Jobsuche. Nahtlos erhielt sie den nächsten Posten: als Mediensprecherin der SRG.