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Von Beifahrern und Bankdrückern

Es gibt Menschen, die fahren Auto. Und dann gibt es Beifahrer. Das ist eine komplett andere Disziplin. Eine Mischung aus Navi, Moralapostel und Fahrlehrer. Meist ungefragt, aber stets überzeugt.
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Von Beifahrern und Bankdrückern

Als Beifahrer lebt man in der faszinierenden Illusion, die Situation besser im Griff zu haben, ohne Lenkrad noch Pedale zu berühren. Der wohl einzige Mensch, der bei auf Autobahntempo entspannt Kaffee trinkt und gleichzeitig «Achtung!» ruft, weil er die Situation schliesslich schon erahnt.
Ähnlich verhält es sich mit den Spielern auf der Ersatzbank. Dort sitzen sie, die stillen Genies des Spiels. Männer, die innerhalb von neunzig Minuten dreissigmal die Aufstellung ändern und viermal das Spielsystem wechseln würden. Natürlich nur theoretisch, weil man praktisch mit dem Gesäss gerade die Bank wärmt.

Das Schöne an beiden Positionen: Man kann jederzeit klug wirken, ohne etwas beweisen zu müssen. Verantwortung ist stets dort, wo die anderen sitzen. Der Fahrer fährt falsch, der Trainer stellt falsch auf, klar. Man selbst bleibt man angenehm unversehrt in seiner analytischen Komfortzone.
Und überhaupt: Von der Seitenlinie sieht alles immer langsamer aus. Im Kopf fährt man perfekte Linien, verteilt geniale Pässe und trifft immer die richtige Entscheidung. Bis man selbst dran ist. Dann merkt man plötzlich, dass Gegenverkehr, Zeitdruck und Realität eine erstaunlich schlechte Zusammenarbeit pflegen.

Besonders interessant wird es übrigens bei Paaren. Dort verwandelt sich der Beifahrersitz oft in eine Art Beziehungslabor. Nach ungefähr zwanzig Minuten Fahrt geht es längst nicht mehr um die Route, sondern um Grundsatzfragen des menschlichen Zusammenlebens. Warum bremst Du immer so spät? Warum atmest Du so laut? Warum vertraust Du Deinem Navi mehr als mir?

Und trotzdem: Ganz ohne Beifahrer wäre Autofahren manchmal auch langweilig. Irgendjemand muss schliesslich das Handy halten und dann mit maximaler Selbstverständlichkeit sagen: «Hier hätte man übrigens rausgemusst.» Natürlich erst nach der Ausfahrt.

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