Der Zürcher Kantonsrat will private Handys, Tablets und Notebooks aus dem Schulalltag verbannen und verlangt dafür kantonsweit verbindliche Regeln. Mit 92 zu 82 Stimmen bei zwei Enthaltungen überwies das Parlament am Montag ein entsprechendes Postulat von SVP und EDU. Der Regierungsrat muss nun innert zweier Jahre prüfen, wie eine solche Regelung umgesetzt werden könnte.
Marcus Brandt/DPA/Keystone
Das geforderte Verbot soll weit reichen: vom Kindergarten bis zum Ende der neunten Klasse und nicht nur während des Unterrichts. Auch in Pausen sowie in Tages- und Betreuungsstrukturen sollen Schülerinnen und Schüler ihre privaten Geräte nicht benutzen dürfen. Ausnahmen sind für gesundheitliche Gründe sowie für schulisch verwaltete Geräte vorgesehen, die gezielt im Unterricht eingesetzt werden.
Die Initianten begründen den Vorstoss mit den Folgen der ständigen Smartphone-Nutzung. Bereits die Anwesenheit eines Handys beeinträchtige die Konzentration. Hinzu kämen Stress, Schlafprobleme, Mobbing und Gruppendruck. Schulen mit handyfreiem Alltag berichteten zudem von mehr Ruhe und einem besseren Lernklima. Kantonsweite Vorgaben sollen ausserdem den bisherigen Flickenteppich unterschiedlicher Regeln in den Zürcher Gemeinden beseitigen.
Im Kantonsrat stiess die Forderung allerdings auf erheblichen Widerstand. AL und FDP lehnten das Postulat ab. Auch die GLP erkannte zwar Probleme mit Smartphones an, wollte die Verantwortung aber weiterhin den einzelnen Schulen überlassen. Die EVP warnte vor einer starren Lösung von oben und bezeichnete den Vorstoss als Symbolpolitik. Statt eines Verbots solle stärker auf Medienkompetenz gesetzt werden.
Die Grünen gaben die Abstimmung frei. Entscheidend für die knappe Mehrheit war die Mitte, die das Postulat als Prüfauftrag an die Regierung unterstützte. Damit ist ein Handyverbot noch nicht beschlossen. Der Regierungsrat muss zunächst aufzeigen, wie verbindliche kantonale Regeln aussehen könnten, ohne den Handlungsspielraum der Gemeinden und Schulen übermässig einzuschränken.