Nach dem Wahlsieg der Linken und dem historischen Absturz der SPD bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl meldet sich Thilo Sarrazin mit scharfen Tönen zurück. Im Gespräch mit dem Magazin Cicero zieht der ehemalige Berliner Finanzsenator eine schonungslose Bilanz über den Zustand der Hauptstadt und seiner früheren Partei.
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Die SPD befinde sich «in den Händen einer linken Funktionärsclique, die ihren machtpolitischen Interessen und ihren ideologischen Zielen folgt, aber nicht den Interessen der Stadt und der Menschen», so Sarrazin. Dass selbst Clan-Grössen wie Issa Remmo auf der Wahlparty der Linken feierten, erfülle ihn mit Sorge: Clans suchten den Zugang zur Macht und witterten bei einer regierenden Linkspartei neue Chancen.
Zugleich warnt der Bestsellerautor («Deutschland schafft sich ab») vor den Folgen eines wachsenden «Islamo-Gauchismus». Dass die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp den Schutz von Juden und Muslimen quasi gleichgesetzt habe, hält er für ein Alarmsignal.
«Ich warte auf den Tag, an dem man Islamkritik und Antisemitismus moralisch auf dieselbe Stufe stellt. Das wird die nächste Konsequenz sein», prophezeit Sarrazin. Werde Islamkritik reflexhaft in die rechte Ecke gestellt, werde dies am Ende nur die AfD weiter stärken.
Mit Blick auf die Migrationspolitik sieht der frühere Politiker Berlin an einem neuralgischen Punkt. Integration hänge nicht primär von einzelnen Beschlüssen ab, sondern schlicht «von der schieren Menge der Menschen» und deren kulturellen Werten. Berlin vergleicht er dabei mit Metropolen wie Neapel oder Kalkutta.
Überraschende Töne schlägt Sarrazin zu seinem persönlichen Alltag an: Trotz Anfeindungen und Sicherheitsauflagen erfahre er viel Zuspruch. «Unter Migranten habe ich einen grossen Fanklub», berichtet er. Gerade integrierte, hart arbeitende Zuwanderer wollten nicht, dass ihr Ruf durch Integrationsverweigerer beschädigt werde. Er sei mit seinen Thesen für viele zu einem Befreiungsschlag und Symbol geworden.