SRG-Generaldirektorin Susanne Wille sieht sich erstmals seit ihrem Amtsantritt mit breitem internem Widerstand konfrontiert. Rund 350 Mitarbeiter von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) haben einen Protestbrief gegen die Entlassung von vier Sprechtrainern unterzeichnet. Die SRG begründet die Kündigungen mit ihrem Sparprogramm und der Neuorganisation der Weiterbildung. Künftig sollen Sprech- und Auftrittstrainings je nach Bedarf intern oder extern angeboten werden.
Im Zentrum der Kritik stehen laut Tages-Anzeiger-Bericht sowohl die Kündigungen als auch deren Umsetzung. Die vier zum Teil langjährigen Mitarbeiter wurden nach ihrer Entlassung sofort freigestellt. Ein SRG-Sprecher erklärte, dies könne dem Schutz der Betroffenen während der Kündigungsfrist dienen. Zu den konkreten Personalentscheiden äussert sich das Unternehmen nicht.
Die Mediengewerkschaft SSM wirft der SRG einen unnötig harten Umgang mit den Mitarbeitenden vor. Sie bezeichnet die sofortigen Freistellungen als «unmenschlich» und spricht von Zuständen «wie im Wilden Westen». Bereits nach der Ankündigung des Sparprogramms hatte die Gewerkschaft gefordert, den Stellenabbau über natürliche Fluktuation, interne Versetzungen und Umschulungen statt über Kündigungen zu bewältigen. Zudem bezweifelt sie, dass die Entlassungen überhaupt nennenswerte Einsparungen bringen, da entsprechende Sprechtrainings weiterhin intern oder extern angeboten werden sollen.
Auch innerhalb von SRF regt sich Widerstand. Die Unterzeichner des Protestbriefs befürchten, dass der Abbau der Sprechtrainer die Qualität der Moderationen verschlechtern könnte. Da viele SRF-Moderatorinnen und -Moderatoren auf Hochdeutsch senden, seien sie besonders auf professionelles Sprechtraining angewiesen. Innerhalb von zwei Tagen schlossen sich laut Medienberichten rund 12 Prozent der SRF-Belegschaft dem Protest an.
Für Susanne Wille ist der Konflikt die erste grössere interne Bewährungsprobe seit ihrem Amtsantritt Ende 2024. Dass die SRG angesichts sinkender Einnahmen sparen muss, wird intern kaum bestritten. Der Streit entzündet sich vielmehr daran, wie der Stellenabbau unter der neuen Führung umgesetzt wird.