Argentinische Behörden haben nach eigenen Angaben ein mutmassliches Rekrutierungsnetzwerk zerschlagen, das Freiwillige für den Kriegsdienst auf Seiten der Ukraine angeworben haben soll. Wie die Bundesstaatsanwaltschaft mitteilte, wurde in der Provinz Buenos Aires eine Frau festgenommen. Gegen sie wird wegen Menschenhandels ermittelt. Ihr mutmasslicher Komplize soll sich kurz vor dem Polizeizugriff nach Brasilien abgesetzt haben und wird gesucht. Die Berliner Zeitung berichtet.
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Nach Angaben der Ermittler sprach die Gruppe über soziale Netzwerke gezielt Zivilisten sowie ehemalige Militär- und Polizeikräfte an. Den Interessenten seien Verträge über Einsätze von sechs Monaten bis drei Jahren in der ukrainischen Armee und ein Monatslohn von rund 3000 US-Dollar in Aussicht gestellt worden. Die genauen Bedingungen seien jedoch nicht offengelegt worden. Stattdessen hätten die Rekrutierten einen auf Ukrainisch verfassten Vertrag für angeblich zivile Tätigkeiten erhalten.
Die Ermittlungen begannen im März, nachdem vier argentinische Staatsbürger am internationalen Flughafen Ezeiza wegen widersprüchlicher Aussagen aufgefallen waren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wussten sie weder, wer ihre Reise finanziert hatte, noch wer sie in Europa empfangen oder welche Aufgaben sie übernehmen sollten. Rückflugtickets fehlten ebenso wie ausreichende finanzielle Mittel. Die mutmasslichen Anwerber hätten ihnen geraten, gegenüber Behörden und Fluggesellschaften anzugeben, sie reisten für Bauarbeiten ins Ausland.
Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft könnten Reise-, Ausrüstungs- oder Vertragskosten dazu führen, dass die Rekrutierten in wirtschaftliche Abhängigkeit geraten und ihre Bewegungsfreiheit faktisch verlieren. Im Juli veröffentlichte Interpol eine sogenannte violette Ausschreibung zu vergleichbaren Rekrutierungsmethoden, nachdem Ermittler in Kolumbien ein ähnliches Vorgehen festgestellt hatten.
Die Ukraine wirbt seit 2022 offiziell um ausländische Freiwillige und nutzt dafür neben einem Rekrutierungszentrum auch Plattformen wie Tiktok, Facebook und Instagram. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums gehört Lateinamerika zu den wichtigsten Herkunftsregionen. Besonders Kolumbien stellt eine grosse Zahl ehemaliger Soldaten. Ukrainischen Militärquellen zufolge sollen seit Kriegsbeginn bis zu 7000 Kolumbianer in ukrainischen Einheiten gedient haben.