Eine Jagd auf hoher See sorgt für Schlagzeilen. Sie erinnert an Szenen aus einem Hollywood-Blockbuster der Kalten-Krieg-Ära.
Zwei Wochen setzte die US-Küstenwache einem Öltanker mit Kurs auf die Karibik nach. Vor Venezuela machte der rostige Kahn plötzlich linksum kehrt, suchte das Weite im Atlantik, wechselte den Namen und fuhr fortan unter russischer Flagge.
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Russland sorgte darauf für eine weitere Eskalationsstufe: Es entsandte ein U-Boot und gewährte Begleitschutz durch russische Marineschiffe. Dessen ungeachtet brachten die Amerikaner den Tanker am 7. Januar vor Island auf.
Die Jagd ist der neuste Brennpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und Russland.
Gemäss dem Weissen Haus ist sie Teil der amerikanischen Embargo-Politik, die seit dem Sturz des venezolanischen Diktators Maduro neue Dringlichkeit hat.
«Dies war ein Schiff der venezolanischen Schattenflotte, das sanktioniertes Öl transportiert hat», so Trumps Pressesprecherin, «die Vereinigten Staaten von Amerika unter diesem Präsidenten werden das nicht tolerieren».
Gemäss Medienberichten hatte der Tanker seit dem 20. Dezember versucht, die US-Blockade zu umschiffen. Es blieb ihm verwehrt, in Venezuela anzulegen und Öl zu laden. Die Crew wehrte einen Versuch der USA ab, an Bord zu kommen.
Obwohl das Schiff unverrichteter Dinge weiterzog, nahm die US-Küstenwache die Verfolgung auf. Aus Prinzip, wie es aus den USA heisst. Um den Handel mit illegalem Öl, darunter auch Schwarzmarktöl aus Russland, zu blockieren.
Um ein Entern durch die Amerikaner abzuwehren, griff die Crew zu einem Trick. Sie malte kurzum eine russische Flagge auf die Schiffsflanke, änderte den Namen von «Bella 1» zu «Marinera» und wechselte die Schiffsregistrierung nach Russland.
Bemerkenswert ist, dass die USA bei ihrer Verfolgungsmission – wie zu den Anfängen der Monroe-Doktrin im 19. Jahrhundert – mit Schützenhilfe der Briten agierten.
«Dieses Schiff mit seiner ruchlosen Geschichte ist Teil einer russisch-iranischen Achse zur Umgehung von Sanktionen, die Terrorismus, Konflikte und Elend vom Nahen Osten bis zur Ukraine schürt», begründet Grossbritanniens Verteidigungsminister John Healey die Unterstützung der US-Operation durch sein Land.
«Bella 1» hat einen dubiosen track record. Ursprünglich war sie Eigentum eines türkischen Unternehmers. «Das Schiff fälschte immer wieder seinen Standort mittels AIS Spooving-Software, fuhr ohne gültige Flagge und widersetzte sich staatlichen Kontrollen.»
2024 sanktionierten die USA das Schiff, weil es angeblich iranisches Schwarzmarktöl für Terrororganisationen transportierte, die mit Teheran verbündet sind.
Der Nachdruck, mit welchem Trump den Rosttanker verfolgen liess, ist Zeichen eines strategischen Kraftaktes, mit dem er die US-amerikanische Macht mittels Ölpolitik nicht nur in der westlichen Hemisphäre, sondern auf der gesamten Weltbühne steigern will.
Wenige Tage nachdem er Maduro in einer spektakulären Mission hatte absetzen lassen, verkündete Trump, Venezuela werde fortan den USA dreissig bis fünfzig Millionen Fass Öl liefern – 15 Prozent der gesamten Fördermenge des Landes.
Das ist offenbar erst der Anfang des trumpschen Plans im Kampf um die weltgrössten Ölressourcen.
«Trump-Team arbeitet an umfassendem Plan zur Kontrolle des venezolanischen Öls für die kommenden Jahre», titelt heute das Wall Street Journal.
«Der Präsident glaubt, dass diese Massnahme den Ölpreis auf sein Ziel von 50 Dollar pro Barrel senken könnte.» Ein Preissenkung könnte die Macht von Exportländern, allen voran Russland, langfristig schwächen.