Dieser Artikel erschien erstmals am 22. Juli 2026 auf dem Online-Portal Inside Paradeplatz.
Viele Schweizer bis hinauf in den Bundesrat sind derart «woke» geworden, was sich auch mit «weich» übersetzen lässt, dass sie nicht mehr erkennen, welches die globalen Gross-Trends sind, die auch uns bereits erfasst haben.
Völlig verpasst hat der Bundesrat mit seinen Beratern die Chance, an der FIFA-Fussball-WM 2026 eine Schweiz zu zeigen, die viele der Besten hervorgebracht hat.
Walter Bieri/Keystone
Ohne zwei Weltklasse-Schweizer, die aus dem kleinen europäischen Fussballverein, der vor gut 100 Jahren in Paris gegründet wurde, einen Weltkonzern gemacht haben, hätte es diese Weltklasse-Spiele in den USA, Mexiko und Kanada nicht gegeben.
Sepp Blatter und Gianni Infantino, ein talentierter Oberwalliser und ein ehrgeiziger italienischer Secondo, haben den Weltkonzern FIFA zu dem gemacht, was heute zum global erfolgreichsten Verein geworden ist.
Diese Karte hätte die Schweiz ausspielen und die Welt damit beeindrucken müssen. Der Bundesrat, die Schweizer Medien und grosse Teile des Schweizer Volkes haben Sepp Blatter ebenso wenig verstanden, wie sie heute Gianni Infantino nicht verstehen.
Den Fussball wollen alle verstehen, aber die beiden Macher des Weltfussballs, Schweizer zumal, sind unverstanden geblieben. Das ist lachhaft.
Es ist eine Tragödie für die Schweiz, dass beide sich in einem entscheidenden Augenblick der Geschichte nicht verstanden haben.
Jetzt hassen sich die beiden Weltstars, reden kein Wort mehr miteinander und versäumen damit die Chance, der Welt ihre Leistung zu erklären.
Die Leistung von zwei Schweizer Innovatoren ersten Ranges.
Das Ergebnis ihrer Arbeit kann sich sehen lassen. Eine Fussball-WM mit dem Player USA, direkt vertreten durch dessen Präsidenten Donald Trump.
Diese Meisterschaft ist ein perfektes Beispiel freier und liberaler Marktwirtschaft, wo die Besten mit Millionen hoch belohnt werden und die weniger Erfolgreichen ein gutes Stück vom Kuchen erhalten.
Rund 12 Milliarden Franken hat diese Weltmeisterschaft der FIFA eingebracht. Ein Marketing von absoluter Weltklasse. Jeder der 48 Teilnehmerstaaten wurde mit Millionen überschüttet, die Schweiz mit voraussichtlich 16 Millionen Franken.
Wichtiger noch: Über zwei Milliarden Menschen in der ganzen Welt brachen in Jubel aus, wenn die Spiele in spannenden Höhepunkten zu explodieren schienen.
Kein anderer Sport erreicht die Menschheit derart intensiv wie der Fussball.
In der Schweiz, die wieder einmal zu spät begriffen hat, wo die Post abgeht – aber das lässt sich in vier Jahren ändern –, dominierte der Neid auf ein Ereignis, das sich weit entfernt von Bümpliz abspielte.
Die Schweizer Medien vermissen vor allem, dass man sich bei den Spielen immer wieder nicht an die FIFA-Regeln gehalten habe.
Niemand dieser feinen Sportjournalisten begriff, dass es keine Regeln mehr gibt, dass die Welt im Begriff ist, neu zu werden, und neue Spielräume geöffnet werden, ganz gegen die alten Regeln.
Eine Welt ohne feste Regeln, das können sich auch viele Schweizer Politiker bis hinauf in den Bundesrat nicht vorstellen.
Mindestens Raniero Clausen vom «Walliser Bote» aus dem Heimatkanton des Teams Blatter-Infantino ahnte: «Nicht der Fussball wird älter, ich werde es.»
Für andere Journalisten war es «ein Spuk, bald vorbei».
Einzig die Blick-Sportredaktion schrieb, ganz versteckt im Innern des Blattes vom 20. Juli: «Es war gross … immer in irgendeiner Form gross.»
Das ist der Weg in die Zukunft, denn in vier Jahren wird die FIFA-WM mit 64 Mannschaften nochmals grösser als in diesem Jahr.
Das Königreich Marokko investiert jetzt schon Milliarden in den Ausbau seiner grossen Städte und Standorte, darunter das grösste Fussballstadion der Welt.
Spanien, der Weltmeister, Portugal, Argentinien und viele mehr werden wieder antreten und vor den Augen der Weltöffentlichkeit einen neuen Weltmeister suchen.
Es wird ein rauschendes Fest für ganz Afrika werden, wo heute schon ein Dutzend Mannschaften von Weltniveau heranwächst.
Die Mannschaften aus Lateinamerika werden mit oder ohne Shakira die neuen Bälle, wie sie in diesem Jahr erprobt wurden, tanzen lassen.
Die europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Klubs werden zeigen wollen, wem die Welt gehört – auch im Fussball.
2034 wird der FIFA World Cup dann in Saudi-Arabien stattfinden. Deshalb war Aramco, die saudische Ölgesellschaft, in diesem Jahr schon der grösste Sponsor der Infantino-Spiele.
Die Saudis werden die Ölmilliarden auf dem Rasen tanzen lassen.
Und die Schweizer, wenn ihnen nichts Besseres einfällt, werden stöhnen. Ganz wie Alt-Bundesrat und Generalsekretär des Europarats Alain Berset, welcher der FIFA alle Fehler aufzählt, die er bemerkt haben will, nicht ohne den Hinweis: «Die Spiele sind unvollendet.»
Dieses unhöfliche Foulspiel aus Strassburg ist für den Ruf Europas und der Schweiz in der Welt wenig hilfreich. Es entspricht dem Niveau einer Beizendiskussion im Zürcher Seefeld, wo man glaubt, im vierten Bier den Weltgeist gefunden zu haben.
Nein, der Bundesrat sollte sich rasch klar werden, ob er weiter Millionen für fade Tourismuswerbung zum Fenster hinauswerfen will oder mit Gianni Infantino zusammen ein neues Bild der Schweiz und ihrer Leistungsträger in die Welt hinausträgt.
Wenn heuer die FIFA als Zürcher Verein gut zwei Milliarden Franken Gewinn macht, der sich über vier Jahre verteilt, wird sofort gerufen werden: «Zahlt Infantino hier auch Steuern?»
Ja, schon Sepp Blatter hat jährlich über 40 Millionen Franken an Steuern der FIFA an die Stadt Zürich abgeliefert. Jetzt wird es noch mehr sein.