Der Nationalrat will die erst 2023 eingeführte Geschlechtervorgabe für die Führung nationaler Sportverbände wieder abschaffen. Mit 109 zu 81 Stimmen nahm die grosse Kammer am Dienstag eine Motion von SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner an. «Für mich ist eine Quote eine Beleidigung», sagte die Aargauerin laut der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sie wolle ein Amt übernehmen, weil sie dafür geeignet sei und Verantwortung übernehmen wolle – «und nicht, weil ich eine Frau bin». «Ich will keine Quotenfrau sein.»
Alessandro della Valle/Keystone
Der Bundesrat hatte 2023 festgelegt, dass in den Leitungsgremien von Swiss Olympic sowie nationalen Sportverbänden und Sportorganisationen beide Geschlechter mit jeweils mindestens 40 Prozent vertreten sein sollen. Verbände, die diesen Zielwert nicht erreichen können, dürfen Ausnahmen beantragen. Lokale Sportvereine sind von der Vorgabe nicht betroffen.
Heimgartner hält die Regel für «realitätsfremd». Als Beispiel nannte sie den Schwingerverband, dessen Mitglieder zu rund 90 Prozent Männer seien. Verbände, die vom Zielwert abweichen, müssten dies dokumentieren, was zusätzliche Bürokratie verursache. Die Förderung von Frauen könne den Organisationen selbst überlassen werden.
Gegen die Abschaffung stellten sich Grüne und Bundesrat. Grüne-Nationalrätin Florence Brenzikofer betonte, es handle sich um einen Zielwert und nicht um eine starre Quote. Bereits 87 Prozent der Verbände erfüllten die Vorgabe. «Wir wollen durchmischte Gremien in Vereinen und Verbänden», sagte sie. Sportminister Martin Pfister verwies darauf, dass Bund und Swiss Olympic bereits zu einem differenzierten Vorgehen bereit seien.
Der Nationalrat will zugleich eine weitere Vorgabe für Sportorganisationen lockern. Mit 109 zu 80 Stimmen nahm er eine zweite Motion Heimgartners an, welche die vorgeschriebenen Amtszeitbeschränkungen für Leitungsgremien aufheben will. Heimgartner argumentiert, viele Verbände seien froh, überhaupt genügend Freiwillige für Führungsaufgaben zu finden. Die Gegner warnen dagegen vor einer Konzentration von Macht und wollen regelmässig Platz für Nachwuchskräfte schaffen. Beide Motionen gehen nun an den Ständerat.