Der Hunger in Südamerika ist in den vergangenen Jahren stärker zurückgegangen als in jeder anderen Weltregion. Das geht aus dem am 21. Juli veröffentlichten Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hervor, über den der Economist berichtet. Demnach ist der Anteil der Menschen mit unzureichender Kalorienversorgung seit 2020 um rund ein Drittel gesunken und liegt nur noch bei 3,5 Prozent – der niedrigste jemals gemessene Wert. Nach Einschätzung der FAO könnte Südamerika damit die erste Weltregion werden, die das Uno-Ziel erreicht, den Hunger bis 2030 praktisch zu beseitigen.
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Als entscheidend gelten zwei Entwicklungen: eine stabilere Wirtschaftspolitik und gezieltere Sozialprogramme. Anders als während des Rohstoffbooms der 2000er Jahre, als grosszügige Sozialausgaben stark von hohen Exporterlösen abhingen, stützt sich der jüngste Rückgang auf eine tiefere Inflation und eine solidere Geldpolitik. Viele unabhängige Zentralbanken reagierten nach der Corona-Pandemie früh mit Zinserhöhungen und brachten die Teuerung schneller unter Kontrolle als zahlreiche andere Schwellenländer. Gleichzeitig reduzierten mehrere Regierungen ihre Staatsausgaben.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Argentinien. Dort sank die monatliche Lebensmittelinflation von zeitweise fast 30 Prozent im Jahr 2023 auf weniger als zwei Prozent im Juni 2026. Auch in Bolivien und Ecuador gingen die Preissteigerungen für Nahrungsmittel deutlich zurück. Niedrigere Lebensmittelpreise entlasten insbesondere einkommensschwache Haushalte.
Die zweite Säule bilden modernisierte Sozialprogramme. Vorbild ist Brasiliens Programm «Bolsa Família», das finanzielle Unterstützung mit Schulbesuch und Gesundheitsvorsorge verbindet. Digitale Auszahlungen und bessere Sozialregister sollen Missbrauch erschweren und die Hilfen gezielter zu den Bedürftigsten lenken. Ähnliche Modelle setzen inzwischen auch Regierungen unterschiedlicher politischer Ausrichtung ein. Selbst konservative und wirtschaftsliberale Präsidenten halten an direkten Geldtransfers fest oder haben diese ausgeweitet.