Der japanische Philosoph Kohei Saito warnt vor einem unumkehrbaren gesellschaftlichen und ökologischen Niedergang und fordert als Antwort einen «dunklen Sozialismus». Das sagte der Professor der Universität Tokio bei der Vorstellung seines neuen Buches «Am Ende des Fortschritts. Überleben in den Ruinen des Kapitalismus» in Wien, wie Die Welt berichtet. Nach seinen Worten sei es «zu spät, den Planeten zu retten», die Zukunft werde «schlimmer».
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Saito, der mit seinen Büchern über Marx und Ökologie international grosse Aufmerksamkeit erlangt hat, begründet seinen Kurswechsel mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Während er früher für einen Klima-Kommunismus und eine Postwachstumsgesellschaft eintrat, hält er den ökologischen und gesellschaftlichen Bruch inzwischen für unumkehrbar. «Was wir gerade erleben, ist nur der Vorgeschmack darauf, was uns noch erwartet», sagte er. Die Welt steuere auf eine Epoche permanenter Mangelwirtschaft, wachsender Verteilungskämpfe und sozialer Instabilität zu.
Der Philosoph knüpft dabei an ökologische Schriften von Karl Marx an und beschreibt einen irreparablen «Stoffwechselbruch» zwischen Mensch und Natur. Als Gegenentwurf zur sogenannten «dunklen Aufklärung» um Denker wie Nick Land oder Curtis Yarvin entwickelt Saito das Konzept eines «dunklen Sozialismus». Bemerkenswert ist dabei, dass er einzelnen Analysen prominenter Vertreter der Tech-Branche durchaus zustimmt. So lobte er etwa die Diagnose des Palantir-Chefs Alexander Karp, wonach der westliche Kapitalismus kaum noch produktive Innovationen hervorbringe. Auch mit Positionen des Investors Peter Thiel müsse sich die politische Linke auseinandersetzen, anstatt sie aus dem öffentlichen Diskurs auszuschliessen.
Zugleich prognostiziert Saito ein baldiges Ende des gegenwärtigen KI- und Technologiebooms. Die Branche befinde sich auf dem Höhepunkt einer Blase, die nach seiner Einschätzung innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre platzen werde. Langfristig drohe eine Kontrollgesellschaft, in der technologische Monopole soziale Krisen zunehmend autoritär verwalteten. Für Saito geht es deshalb nicht mehr um die klassische Alternative «Sozialismus oder Barbarei», sondern um die Frage, wie gesellschaftliches Überleben unter den Bedingungen einer bereits begonnenen Krise organisiert werden kann.