Der Krieg in der Ukraine und der Konflikt zwischen dem Iran und den USA greifen zunehmend ineinander. Nach einem ukrainischen Angriff auf ein iranisches Handelsschiff im Kaspischen Meer droht Teheran mit Vergeltung. Irans Aussenminister Abbas Araghtschi erklärte auf der Plattform X, der Angriff könne «nicht unbeantwortet bleiben». Nach iranischen Angaben kam bei der Explosion ein Seemann ums Leben, ein weiterer wurde verletzt.
Rajat Gupta/Keystone
Nach Darstellung der Ukraine transportierte das Schiff militärische Fracht zwischen Russland und dem Iran und stellte deshalb ein legitimes Ziel dar. Kiew erklärte, bei den Angriffen seien Schiffe getroffen worden, die für den Transport russischer Rüstungsgüter in den Iran eingesetzt worden seien. Der ukrainische Botschafter in Israel wies die iranische Darstellung zurück, wonach es sich um zivile Ladung gehandelt habe. Solche Lieferungen würden auch künftig angegriffen, kündigte er an.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen Moskau. Russland habe dem Iran Satellitendaten zur Verfügung gestellt, die bei Angriffen auf US-Militärstützpunkte im Nahen Osten genutzt worden seien. Seit Anfang Juli hätten russische Satelliten Einrichtungen in den Golfstaaten überwacht und die gewonnenen Informationen an Teheran weitergegeben. Moskau hat diese Vorwürfe bislang nicht kommentiert.
Teheran bestellte nach dem Angriff den ukrainischen Geschäftsträger ein und legte offiziell Protest ein. Araghtschi forderte in Gesprächen mit der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas und dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow eine internationale Reaktion. Während Trump erklärte, Russland und China hätten ihm zugesichert, keine Waffen an den Iran zu liefern, zeichnen die jüngsten Ereignisse das Bild einer zunehmenden Verflechtung des Ukraine-Kriegs mit der Auseinandersetzung im Nahen Osten.