Der Zenit scheint überschritten: Die Nutzung sozialer Medien ist weltweit erstmals rückläufig. Laut einer exklusiven Auswertung des Marktforschungsunternehmens GWI für die Financial Times erreichte die tägliche Verweildauer auf Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Facebook ihren Höhepunkt bereits im Jahr 2022 – seither sinkt sie kontinuierlich.
FRISO GENTSCH / KEYSTONE
Am stärksten ist der Rückgang bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen ist die durchschnittliche Nutzungsdauer seit 2022 um fast 10 Prozent gefallen. Insgesamt verbringen Erwachsene in den Industrieländern heute im Schnitt rund 140 Minuten täglich in sozialen Netzwerken – Tendenz fallend.
Als Ursache identifiziert die Analyse eine zunehmende Entfremdung: Statt dem Austausch mit Freunden oder Familie dominieren laut GWI heute KI-generierte Inhalte, algorithmisches «Slop»-Material und kurze Videos, die vor allem auf Aufmerksamkeit abzielen. Plattformen wie Meta oder Open AI setzen mittlerweile gezielt auf diese Art von ultraverarbeiteten, oft sinnentleerten Inhalten – ein «Tiktok-Klon» von Open AI soll gar mit Deepfakes und Fantasiewelten locken.
«Soziale Medien sind zu antisozialen Medien geworden», schreibt Datenjournalist John Burn-Murdoch in der FT. Menschen verschwänden zunehmend von den Plattformen, reale Interaktion werde durch zielloses Scrollen ersetzt. Der Begriff enshittification macht die Runde – eine Verfallsgeschichte digitaler Angebote, die in ihrer Gier nach Aufmerksamkeit jedes soziale Element opfern.
Einzige Ausnahme: Nordamerika. Dort ist die Nutzung sogar weiter gestiegen.