Die frühere Selenskyj-Sprecherin Julija Mendel wirft der ukrainischen Führung eine brutale Zwangsrekrutierung und massive Korruption bei der Einberufung vor. «Männer werden auf den Strassen gejagt», sagte Mendel im Interview mit der Weltwoche. «Menschen mit Behinderungen werden an die Front gebracht, Menschen, die vielleicht über 60 sind, 16-Jährige, Blinde und so weiter.» Dies sei «eine der hässlichsten Seiten dieses Krieges».
Viele Betroffene würden vor die Wahl gestellt, «entweder an die Front zu gehen oder Bestechungsgeld zu zahlen». Die Bestechungsgelder gingen bis 20.000 Dollar. Nach Daten des ukrainischen Ombudsmanns gelangten «nur 2 oder 3 Prozent dieser Menschen an die Front», sagt Mendel. Die Korruption bei der Einberufung erreiche jährlich «bis zu fünf Milliarden Dollar». Ihr Verdacht: «Ich habe das Gefühl, dass jemand ganz oben von dieser Menschenjagd profitiert.»
Mendel berichtete zudem von «Folter in den Einberufungsbüros» und von Männern, die aus dem Land flöhen: «Männer fliehen durch Berge und über Flüsse und sterben.» Die Lage zeuge von einer «Missachtung des menschlichen Lebens». Viele hätten die Bereitschaft zu dienen verloren: «Warum sollten wir dienen? Hier gibt es keine Demokratie.»