Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat General Mychaylo Drapatyj zum neuen Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt, berichtet der Economist. Die Präsidialverwaltung bestätigte den Wechsel an der Armeespitze am 21. Juli. General Oleksandr Syrskyj, der das Amt seit Anfang 2024 innehatte, wurde nach anhaltender Kritik an seiner Führung abgelöst.
Ukrainian Presidential Press Office
Mit dem 43-jährigen Drapatyj rückt ein Offizier an die Spitze der Armee, der als Verfechter moderner Führungsstrukturen gilt. Bekannt wurde er bereits 2014 bei der Verteidigung von Mariupol, als er mit einer kleinen Panzerkolonne prorussische Stellungen durchbrach und später einen eingeschlossenen Verband wieder zu den ukrainischen Linien führte. Seither erwarb er sich den Ruf eines entschlossenen Frontkommandanten, der Eigenverantwortung fördert und seine Soldaten stärker in Entscheidungen einbezieht.
Seit Ende 2024 leitete Drapatyj die Bodentruppen und setzte dort Reformen bei Ausbildung, Rekrutierung und Digitalisierung in Gang. Er sprach sich wiederholt gegen sowjetisch geprägte Befehlsketten und Mikromanagement aus. Statt einer «Kultur der Angst» solle sich eine «Kultur der Verantwortung» etablieren, erklärte er damals. Nach einem russischen Raketenangriff auf einen Truppenübungsplatz mit zwölf getöteten Soldaten übernahm er 2025 die politische Verantwortung und trat zurück, bevor er später erneut mit operativen Führungsaufgaben betraut wurde.
Seine Ernennung erfolgt in einer schwierigen Phase des Krieges. Zwar gilt Syrskyj als fähiger Taktiker und trieb den Einsatz von Drohnen entscheidend voran. Zugleich wurde ihm vorgeworfen, Ressourcen ungleich zu verteilen, Entscheidungen zu zentralisieren und an überholten Führungsprinzipien festzuhalten. Die Absetzung erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Kritik aus Teilen der Armee und der Öffentlichkeit.