Nach der tödlichen Schiesserei in einer Jugendhilfe-Einrichtung im niedersächsischen Stade rückt die mutmassliche Fahrerin des Fluchtwagens in den Fokus der Ermittlungen. Nach Informationen des Nachrichtenportals Nius soll es sich um die 65-jährige Sylvia S. aus Bremen handeln. Die Frau wurde nach der Festnahme zunächst in Polizeigewahrsam genommen, später jedoch wieder auf freien Fuss gesetzt. Die Ermittlungen zu ihrer Rolle dauern an.
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Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der 45-jährige Tatverdächtige mit türkischen Wurzeln nach den Schüssen in einen Mercedes-Benz GLE Coupé gestiegen sein, den Sylvia S. gelenkt haben soll. Das Fahrzeug sei erst wenige Wochen vor der Tat auf sie zugelassen worden.
Nius berichtet weiter, Sylvia S. arbeite als Familien- und Migrationsberaterin bei einer bundesweit tätigen Organisation, die über das Bundesprogramm «Demokratie leben!» gefördert werde. Die Organisation berate unter anderem zu Aufenthaltsrecht, Familiennachzug und Einbürgerung und vertrete nach eigenen Angaben die Interessen von Familien mit Migrationshintergrund.
Nach Angaben von Nius sowie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung soll Sylvia S. zudem die Patentante der drei Monate alten Tochter des Tatverdächtigen sein. Um das Kind war zuvor ein Konflikt zwischen den Eltern und den zuständigen Behörden entstanden. Auslöser waren Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein Schütteltrauma. Die Eltern und ihr Umfeld wiesen die Vorwürfe zurück.
Drei Tage vor der Tat soll Sylvia S. laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ein rund zwanzig Seiten umfassendes Schreiben an verschiedene Medien verschickt haben. Darin habe sie den Fall aus Sicht der Familie geschildert und Zweifel am Vorgehen der Behörden geäussert. Hinweise auf Drohungen gegen Mitarbeiter oder Behörden haben die Schreiben gemäss den Berichten nicht enthalten.
Der 45-jährige Tatverdächtige soll am Montag während eines Hilfeplangesprächs in der Einrichtung das Feuer eröffnet und sechs Mitarbeiter der Jugendhilfe sowie des Jugendamts getötet haben. Die Hintergründe der Tat und die mögliche Beteiligung der Fluchtfahrerin sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.