Nach ihrem jüngsten Interview mit dem ungarischen Medium Partizán steht Angela Merkel unter heftiger Kritik. Die Altkanzlerin hatte darin erklärt, sie habe 2021 ein neues Dialogformat mit Russland vorgeschlagen, das insbesondere von Polen und den baltischen Staaten blockiert worden sei. «Dann bin ich aus dem Amt geschieden, und dann hat die Aggression Putins begonnen», sagte Merkel.
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Polens ehemaliger Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sprach von einer «der schädlichsten deutschen Politikerinnen» der jüngeren Geschichte. Noch deutlicher wurde PiS-Politiker Adam Bielan: «Merkel hat Blut an den Händen, sie sollte schweigen.»
Auch aus dem Baltikum hagelte es Kritik. Lettlands Ex-Verteidigungsminister Artis Pabriks warf Merkel vor, «wie eine russische Einflussagentin» zu klingen. Estlands Aussenminister Margus Tsahkna stellte klar: «Die Schuld an dieser Aggression trägt allein Russland.»
Die Vorwürfe, Merkel mache Polen und das Baltikum indirekt für den Ausbruch des Ukraine-Krieges mitverantwortlich, werden auch von westlichen Stimmen zurückgewiesen. Der britische Menschenrechtsaktivist Bill Browder erklärte: «Kein Wunder, dass Deutschland unter ihrer Führung eine so katastrophale Russlandpolitik verfolgt hat. Gut, dass sie weg ist.»
Der Streit um Merkels Russlandpolitik, insbesondere ihre Rolle bei Nord Stream 2, ist nicht neu – doch das neue Interview hat eine alte Debatte mit voller Wucht neu entfacht. Die einstige «Krisenkanzlerin» sieht sich nun mit der Frage konfrontiert, wie viel Verantwortung sie selbst für das Scheitern des Dialogs mit Moskau trägt.