Die Geburtenrate in der Schweiz ist auf einen historischen Tiefstand gefallen: Pro Frau werden im Durchschnitt noch 1,29 Kinder geboren. Das zeigt eine neue Langzeitstudie der Universität Zürich zur assistierten Reproduktion, über die der Tages-Anzeiger berichtet. Zur Erhebung der Daten wurden mehr als 5.000 Personen befragt.
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Die Untersuchung führt den Rückgang auf zwei Entwicklungen zurück. Einerseits entscheiden sich immer mehr Menschen bewusst gegen Kinder. Der Anteil der 20- bis 39-Jährigen ohne Kinderwunsch stieg innerhalb von gut zehn Jahren von 6 auf 17 Prozent. Andererseits verschiebt sich die Familiengründung weiter nach hinten. Frauen sind in der Schweiz bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 31,3 Jahre alt – ein Spitzenwert im europäischen Vergleich.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Kinderlosigkeit nicht immer freiwillig ist. Rund jede fünfte befragte Person gab an, bereits von Unfruchtbarkeit betroffen gewesen zu sein. Nach Angaben der Forscher wird der Einfluss des Alters auf die Fruchtbarkeit häufig unterschätzt. Ein Drittel der Befragten glaubt demnach fälschlicherweise, die weibliche Fruchtbarkeit nehme erst ab dem 40. Lebensjahr deutlich ab.
Mit der späteren Familienplanung wächst die Bedeutung der Reproduktionsmedizin. Während sich die Zahl der In-vitro-Fertilisationen seit Jahren auf rund 6.500 Behandlungen jährlich bewegt, steigt die Nachfrage nach dem Einfrieren von Eizellen deutlich. 2024 liessen rund 3.340 Frauen ihre Eizellen konservieren – viermal so viele wie noch 2019. Etwa 2.500 Kinder kamen im vergangenen Jahr nach einer künstlichen Befruchtung zur Welt.
Die Studie verweist zudem auf die gesellschaftliche Dimension des Trends. Trotz der tiefen Geburtenrate betrachtet eine Mehrheit der Befragten Fruchtbarkeit und Kinderwunschbehandlungen als private Angelegenheit. Zugleich wird der demografische Rückgang bislang weitgehend durch Zuwanderung kompensiert. Die Debatte über die Folgen einer alternden Gesellschaft bleibt deshalb in der Schweiz vergleichsweise verhalten.