Russland bereitet nach Erkenntnissen finnischer und schwedischer Beobachter einen deutlichen Ausbau seiner Militärpräsenz nahe der Grenze zu Finnland vor. Wie Focus online unter Berufung auf ausgewertete Satellitenaufnahmen des schwedischen Senders SVT berichtet, entstehen an mehreren Standorten im Nordwesten Russlands neue Kasernen, Munitionslager und Unterkünfte für zusätzliche Truppen. Die Aufnahmen zeigen zudem lange Reihen von Militärfahrzeugen sowie neue Infrastruktur in Grenznähe.
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Betroffen sind mehrere strategisch wichtige Standorte nahe Finnland, Norwegen und Estland. Ausgebaut werden unter anderem Anlagen in Petschenga, Petrosawodsk, Kandalakscha sowie in den Regionen Leningrad und Karelien. Nach Einschätzung finnischer Militärs schaffen die Bauarbeiten die Voraussetzungen für eine deutliche Verstärkung der russischen Streitkräfte entlang der Nato-Grenze.
Der finnische Heereschef Pasi Välimäki rechnet langfristig mit einer Vervierfachung der russischen Truppenstärke an der gemeinsamen Grenze. «Wir rechnen mit 80.000 Soldaten an unserer Grenze», sagte er laut SVT. Derzeit seien dort rund 20.000 russische Soldaten stationiert. Noch gehe man allerdings nicht davon aus, dass diese Stärke bereits vor einem Ende des Ukraine-Kriegs erreicht werde.
Hintergrund der Entwicklung ist eine Neuordnung der russischen Militärbezirke. Moskau hatte bereits 2024 den bisherigen westlichen Militärbezirk aufgeteilt und den neuen Militärbezirk Leningrad geschaffen, der für den Ostseeraum zuständig ist. Der Kreml begründete den Schritt mit dem Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens.
In Schweden werden die Entwicklungen mit Sorge verfolgt. Der Chef des Militärgeheimdienstes MUST, Thomas Nilsson, sprach von einer Bedrohung, die ernst genommen werden müsse. Russland schaffe die Voraussetzungen, um für einen grösseren Konflikt mit der Nato gerüstet zu sein. Nach seinen Angaben verfügen die russischen Streitkräfte insgesamt über rund 1,5 Millionen Soldaten, von denen ein Teil rasch über grosse Distanzen verlegt werden könne.
Die Nato beobachtet die Lage nach eigenen Angaben aufmerksam. Solange ein grosser Teil der russischen Streitkräfte im Krieg gegen die Ukraine gebunden sei, gelte die unmittelbare Gefahr eines grösseren Angriffs als begrenzt. Militärvertreter warnen jedoch, dass sich die Lage nach einem möglichen Waffenstillstand rasch verändern könnte.