Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zieht laut einem Medienbericht einen Militärschlag gegen den Iran auch ohne Unterstützung der USA in Betracht. Das berichtete der Fernsehsender i24 News unter Berufung auf eine Kabinettssitzung in Jerusalem. Netanjahu habe erklärt, Israel könne sich in einer Situation wiederfinden, in der es dem Iran «allein, ohne Rückendeckung der USA» gegenüberstehe – «mit allen damit verbundenen Kosten».
Avi Ohayon/Keystone
Die Äusserungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Spannungen im Nahen Osten. Inzwischen haben die USA nach dem mutmasslichen Abschuss eines amerikanischen Apache-Kampfhelikopters nahe der Strasse von Hormus Vergeltungsschläge gegen iranische Radar- und Luftverteidigungsstellungen durchgeführt. Washington bezeichnete die Angriffe als verhältnismässige Antwort auf iranische Aggressionen.
Nach Angaben von i24 News räumte Netanjahu ein, dass ein Alleingang erhebliche Folgen hätte. Er nannte höhere Rüstungsausgaben sowie die Gefahr internationaler Isolation. Israel hoffe zwar, dass ein solches Szenario nicht eintrete, müsse sich jedoch darauf vorbereiten.
Der israelische Sicherheitsexperte Danny Citrinowicz bezeichnete einen grösseren Militärschlag ohne amerikanische Unterstützung als «massives strategisches Wagnis». Israel sei in zentralen Bereichen wie Luftverteidigung, Aufklärung sowie politischer und militärischer Rückendeckung eng auf die Vereinigten Staaten angewiesen.
Zugleich warnte Citrinowicz vor möglichen Folgen für das Verhältnis zu Washington. Sollte die US-Regierung ein Abkommen mit dem Iran als wichtigen diplomatischen Erfolg betrachten, könnte eine einseitige israelische Militäraktion die Beziehungen zwischen beiden Verbündeten erheblich belasten.
Die jüngsten Entwicklungen legen wachsende Differenzen zwischen Trump und Netanjahu offen. Gegenüber der Financial Times machte Trump deutlich, wer aus seiner Sicht das Sagen hat: «Ich bestimme den Kurs. Netanjahu bestimmt ihn nicht.» Wer den westlichen Kurs gegenüber Teheran tatsächlich vorgibt, wird damit zunehmend zur offenen Frage.