US-Präsident Donald Trump hat die vorläufige Einigung mit dem Iran erstmals ausdrücklich mit den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts begründet. Auf dem G7-Gipfel in Frankreich erklärte Trump, ein längerer Krieg hätte eine globale Wirtschaftskatastrophe auslösen können. «Ich wollte keine Wirtschaftskatastrophe erleben», sagte der Präsident vor Journalisten. Wäre der Konflikt weiter eskaliert, «hätte das passieren können». Trump verwies dabei sogar auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 und erklärte, er wolle nicht wie der damalige Präsident Herbert Hoover in die Geschichte eingehen.
Manuel Balce Ceneta/AP/Keystone
Nach Trumps Darstellung reagierten die Finanzmärkte unmittelbar auf die Aussicht einer Friedenslösung. «Jedes Mal, wenn wir über die Möglichkeit von Frieden sprachen, schoss der Aktienmarkt wie eine Rakete nach oben», sagte er. Negative Signale hätten dagegen sofort zu Kursverlusten geführt. Zudem bestätigte Trump, dass die USA bewusst auf Angriffe gegen die iranische Ölinfrastruktur verzichtet hätten. Eine Bombardierung der iranischen Pipelines hätte nach seinen Worten «eine internationale Depression auslösen können».
Die Aussagen werfen ein Schlaglicht auf die dramatische Lage an den Energiemärkten. Wie Telepolis unter Berufung auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) berichtet, sind seit Kriegsbeginn Ende Februar weltweit rund 440 Millionen Barrel Rohöl und Raffinerieprodukte aus staatlichen und kommerziellen Reserven entnommen worden. Die IEA spricht von einem Abbau «im Rekordtempo». Ursache war die faktische Blockade der Strasse von Hormus durch den Iran, über die normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird.
Die Lagerbestände der OECD-Staaten befinden sich inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit 1990. In den USA wurden allein bis Anfang Juni mehr als 66 Millionen Barrel aus der Strategischen Erdölreserve freigegeben. Analysten warnen, die Vorräte näherten sich dem technisch notwendigen Minimum. IEA-Chef Fatih Birol sprach von der «grössten Energiekrise» der Geschichte. Führende Vertreter der Ölbranche warnten laut Telepolis zudem, der Markt könne bereits im Juli einen kritischen Kipppunkt erreichen.