Der Weltfussballverband Fifa will erstmals private Investoren an seinem kommerziellen Geschäft beteiligen und stösst damit auf heftigen Widerstand.
Wie die Fifa am Dienstag mitteilte, sollen rund 20 Prozent der Anteile an der neu gegründeten Tochtergesellschaft «Fifa Forward Enterprise» (FFE) verkauft werden. In der Gesellschaft will der Weltverband künftig seine kommerziellen Aktivitäten wie Medienrechte, Sponsoring, Ticketverkauf sowie das Geschäft mit VIP-Paketen und Lizenzen bündeln.
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Die FFE wird mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet. Gemeinsam mit der US-Investmentbank J. P. Morgan, die die Investorensuche und Kapitalbeschaffung koordinieren soll, will die Fifa noch in diesem Jahr bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben. Über die Pläne berichtete zuerst die Financial Times.
Eine Schlüsselrolle soll die Investmentgesellschaft Thrive Capital des US-Investors Joshua Kushner übernehmen. Er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Ehemann von Ivanka Trump sowie Schwiegersohn und früheren Berater von US-Präsident Donald Trump. Das Unternehmen soll vor allem internationale Staatsfonds als Investoren gewinnen und die Kapitalbeschaffung für das Vorhaben sichern.
Nach Angaben der Fifa sollen die eingeworbenen Mittel vollständig an die 211 Mitgliedsverbände fliessen. Vorgesehen sind Einmalzahlungen von jeweils zwanzig Millionen Dollar sowie eine Erhöhung der jährlichen Fördergelder von zwei auf fünf Millionen Dollar für die Jahre 2027 bis 2030.
Über den geplanten Verkauf einer Minderheitsbeteiligung und das damit verbundene Finanzierungs- und Ausschüttungsmodell müssen die Mitgliedsverbände noch abstimmen. Für die Genehmigung ist eine Mehrheit der 211 Verbände erforderlich. Die Investoren würden eine Minderheitsbeteiligung an der FFE und damit an deren kommerziellen Erträgen erhalten. Angaben zur konkreten Ausgestaltung der Beteiligungsrechte machte die Fifa zunächst nicht.
Die Pläne stossen im internationalen Fussball auf erheblichen Widerstand. Die Uefa wirft der Fifa vor, eine rote Linie zu überschreiten. «Damit wird eine Grenze überschritten, die die führenden Institutionen des Fussballs niemals überschreiten dürfen», erklärte der europäische Verband. «Die Seele und die Führung des Fussballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell profitiert. Niemand von uns besitzt den Fussball. Er gehört nicht der Fifa, und sie kann ihn nicht verkaufen.»
Zusätzliche politische Brisanz erhält das Vorhaben durch das enge Verhältnis zwischen Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump. Infantino trat in den vergangenen Monaten wiederholt an der Seite Trumps auf. Die Fifa bezog Büroräume im Trump Tower und verlieh dem US-Präsidenten ihren erstmals vergebenen «Friedenspreis». Während der Klub-Weltmeisterschaft im Sommer 2025 soll Infantino zudem auf Wunsch Trumps die Sperre des US-Nationalspielers Folarin Balogun überprüft haben. Die Fifa hob die Sanktion später auf.
Der Widerstand gegen die Pläne kommt für Infantino zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Im März stellt er sich zur Wiederwahl als Fifa-Präsident. Gleichzeitig verlangt der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin bereits Unterlagen zu Kontakten und Geschenken im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen der Fifa und der Trump-Regierung.
Sollten die Demokraten bei den Zwischenwahlen im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen, könnten sie ihre Untersuchungen ausweiten und Infantino zu einer Aussage vor einem Kongressausschuss des US-Repräsentantenhauses vorladen.