Ein Angriff auf ein Frachtschiff in der Strasse von Hormus hat die geplante Evakuierung von seit Monaten festsitzenden Handelsschiffen vorerst gestoppt. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) setzte ihren Evakuierungsplan aus, nachdem ein Schiff im Golf von Oman von einem «unbekannten Projektil» getroffen worden war. Das berichtet die Financial Times.
Amirhosein Khorgooi/ISNA/AP/Keystone
Nach Angaben der IMO wurde das betroffene Schiff zwar nicht im Rahmen des Evakuierungsplans durch die Meerenge geführt, dennoch entschied die Uno-Organisation aus Sicherheitsgründen, alle weiteren Fahrten vorerst auszusetzen. Verletzte gab es keine. Bei dem Schiff soll es sich um den unter der Flagge Singapurs fahrenden Containerriesen «Ever Lovely» der Reederei Evergreen handeln.
Der Zwischenfall belastet das erst vor wenigen Tagen geschlossene Interimsabkommen zwischen den USA und dem Iran zusätzlich. Dieses sieht vor, die Strasse von Hormus schrittweise wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen und den Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran um 60 Tage zu verlängern. Gleichzeitig verschärfte die iranische Revolutionsgarde ihren Ton. Sie erklärte, Schiffe müssten ihre Durchfahrt künftig zwingend mit den iranischen Seestreitkräften koordinieren und dürften keine «nicht genehmigten» Routen benutzen.
Mindestens vier Tanker kehrten daraufhin auf Anweisung iranischer Stellen um oder änderten ihren Kurs. Teheran versucht nach Angaben der Financial Times, ein eigenes Kontrollsystem für die Meerenge aufzubauen. Schiffe sollen künftig Genehmigungen bei einer eigens geschaffenen iranischen Behörde beantragen. Während der laufenden 60-tägigen Waffenruhe verzichtet der Iran zwar auf Durchfahrtsgebühren, hält aber an seinem Plan fest, solche Abgaben künftig zu erheben. Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus liegt weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau.