Einstweilen ist der 12-Tage-Krieg zwischen Israel und dem Iran unter massivem Druck der Vereinigten Staaten zu einem vorläufigen Ende gekommen. Weitgehend einig ist man sich: Israel hat den Iran in diesem Konflikt klar dominiert. Ein anderes Land jedoch ist in diesem Krieg unübersehbar zum Verlierer geworden – die Schweiz.
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Zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs hielten sich über 25.000 Schweizerinnen und Schweizer in Israel auf. In keinem anderen Land dieses Kontinents lebt eine grössere Auslandschweizer-Gemeinde. Auch ich war zufällig in Israel, als der Krieg begann. Der Versuch, Unterstützung durch die Schweizer Botschaft zu erhalten, erwies sich für viele als vergeblich. Die Haltung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), wie sie Marianne Jenni, Direktorin der Konsularischen Direktion, im Radio SRF darlegte, war unmissverständlich: Wer sich noch in Israel aufhalte, sei letztlich selbst schuld. Man habe ja seit Sommer 2024 gewarnt.
Offenbar glaubte selbst Bundesrat Ignazio Cassis nicht an die Warnungen – er war noch im Juni nach Israel sowie zur Palästinensischen Autonomiebehörde nach Ramallah gereist.
Andere Staaten agierten gegenüber ihren Mitbürgern weit entschlossener. Die Bundesrepublik Deutschland etwa organisierte umgehend Evakuierungsflüge mit Hilfe der Bundeswehr. Schweizer Bürgerinnen und Bürger hingegen mussten feststellen: Die Schweizer Armee, der ich selbst einst über 700 Diensttage gewidmet hatte, war entweder nicht willens oder nicht fähig, Hilfe zu leisten. Ideen für pragmatische Lösungen – etwa ein Shuttle mit Puma-Helikoptern zwischen Tel Aviv und Amman oder ein von der Botschaft organisierter Buskonvoi nach Akaba mit Anschlussflug nach Europa – blieben in Bern offenbar undenkbar. Stattdessen wurden ein paar Soldaten zur Bewachung der leeren Schweizer Botschaft in Tel Aviv entsandt. Symbolpolitik statt Schutz.
Auch im Iran machte die Schweiz keinen besseren Eindruck. Als Schutzmacht der USA hätte sie eine zentrale Rolle einnehmen können. Doch Botschafterin Nadine Olivieri Lozano verliess Teheran zusammen mit ihrem gesamten Personal fluchtartig in Richtung Aserbaidschan. Die sogenannten Guten Dienste der Schweiz verstummten just in jenem Moment, in dem sie am dringendsten gebraucht worden wären. An ihrer Stelle übernahm ein Golfstaat die vermittelnde Rolle.
Doppelbürger wie ich hatten Glück: Dank meiner zweiten Staatsangehörigkeit konnte ich auf die Hilfe der Bundesrepublik zählen. Der deutsche Botschafter Steffen Seibert zeigte in Tel Aviv, was aktive Diplomatie bedeutet: Während eines Raketenalarms kümmerte er sich persönlich um Gäste der Botschaft, verteilte Wasser und begleitete alle Anwesenden in den Schutzraum. Später geleitete er seine Mitbürger zum Flughafen, wo zwei Bundeswehrmaschinen Ausreisewillige nach Köln brachten.
Die Schweizer Verwaltung dagegen wirkte in diesen dramatischen Tagen: ängstlich, passiv, konzeptlos. Vielleicht ist es ein Glück im Unglück, dass die Schweiz in dieser Region längst in die politische Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist: So blieb ihr beschämendes Versagen weitgehend unbeachtet.
Thomas Wyler, 62, ist selbständiger Berater für Family Offices und Finanzanlagen in Zürich. Als freiwilliger Stiftungsrat war er Mitte Juni für einen Kongress der Hebräischen Universität in Israel. Der Kongress wurde wegen des Kriegsausbruchs kurzfristig abgesagt.