Die Initiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz hat international grosse Beachtung gefunden. Vor allem Medien in den EU-Ländern berichten grossflächig.
Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung bringt das Nein «ein Aufatmen für die Schweizer Wirtschaft». Unternehmen könnten damit weiterhin flexibel auf Fachkräfte aus der EU zurückgreifen. Das Abstimmungsresultat stärke zudem das neue Verhandlungspaket, das die Schweiz gegenwärtig mit der Europäischen Union aushandelt.
Montage der Weltwoche
Beeindruckt von der politischen Reife der Schweizer Stimmbevölkerung zeigt sich das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Die Bürger seien in der Lage, komplexe und weitreichende Themen abzuwägen. Betitelt ist der Kommentar mit: «Wer dem Volk nicht vertraut, hat die Hälfte der Demokratie schon verloren.»
Als «Warnsignal» sieht die Süddeutsche Zeitung das Resultat. Dass fast die Hälfte der Wähler bereit gewesen wäre, für eine harte Grenze die geregelten Beziehungen zur EU zu riskieren, zeige ein tief sitzendes Misstrauen. Das Blatt führt die hohe Zustimmung auf das ausgeprägte Schweizer Selbstbewusstsein zurück. Das Land verstehe sich sprachlich und kulturell oft ohnehin schon als eine Art autarkes «Mini-Europa».
CBS News in den USA zieht einen Vergleich mit dem Brexit, wie es auch einige Initiativ-Gegner getan hatten. Die Schweiz sei dicht mit der EU verflochten. Ein Ja hätte aus Sicht des Senders die wirtschaftlichen Beziehungen und andere Kooperationen in ein Chaos gestürzt. Für die New York Times ist das Ergebnis Ausdruck für den zunehmenden Migrationsdruck in ganz Europa, aber auch für eine wachsende Ausländerfeindlichkeit.
Im italienischen Corriere della Sera liegt der Fokus auf dem Graben zwischen Stadt und Land. Die Abstimmung habe eindrücklich demonstriert, wie tief gespalten das Land beim Thema Zuwanderung sei. Besonders gross sei diese Herausforderung für die etablierten Parteien in der Mitte.
Ein gewisses Verständnis für den hohen Anteil der Ja-Stimmen zeigt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Trotz des enormen Reichtums der Schweiz wachse hinter den Kulissen die Sorge über steigende Mieten und eine überlastete Infrastruktur.