Die Fraktionschefin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, Constanze Oehlrich, ist rund einen Monat vor der Landtagswahl zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe eines Mitarbeiters wegen Machtmissbrauchs und verbaler sexueller Belästigung. Oehlrich weist die Anschuldigungen zurück und betont, ihr Rücktritt sei «ausdrücklich keine Bestätigung» der Vorwürfe. Das berichtet die Welt.
Jens Büttner/Keystone
Der Konflikt reicht ins vergangene Jahr zurück. Damals reichte ein Mitarbeiter eine Beschwerde nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ein. Eine beauftragte Anwaltskanzlei untersuchte den Fall. Nach Angaben der Grünen-Fraktion stellte sie weder einen Gesetzesverstoss noch fehlerhaftes Führungsverhalten fest. Einzelheiten der Untersuchung wurden nicht veröffentlicht.
Vergangene Woche wurden weitere Vorwürfe bekannt. Nach Recherchen der Welt soll sich Oehlrich in einen jüngeren Mitarbeiter verliebt und ihn über längere Zeit verbal sexuell belästigt haben. Eine Fachberatungsstelle führte unter anderem eine Äusserung über dessen Kleidung an. Oehlrich soll bemängelt haben, dass diese «zu wenig körperbetont» sei und nicht «am Hintern enger sitzt». Die Beratungsstelle bewertete das Verhalten als grenzüberschreitend.
Oehlrich widerspricht dieser Darstellung. Einzelne Äusserungen würden aus dem Zusammenhang gerissen und nachträglich anders bewertet. Die Bemerkung über die Kleidung habe sich ausschliesslich auf ein angemessenes Erscheinungsbild bei dienstlichen Terminen bezogen. «Den daraus erhobenen Vorwurf einer verbalen sexuellen Belästigung weise ich jedoch entschieden zurück», erklärte sie.
Ihren Rücktritt begründet Oehlrich mit der persönlichen Belastung durch die erneute öffentliche Debatte. Die Vorwürfe seien bereits unabhängig geprüft und als unbegründet zurückgewiesen worden. Ein erneutes Aufgreifen schaffe «keinen neuen Sachstand».
Für die Grünen kommt der Rücktritt zu einem heiklen Zeitpunkt. Oehlrich war ursprünglich als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 20. September vorgesehen. Nach parteiinternen Auseinandersetzungen wurde die Landesliste jedoch neu gewählt.