Die CDU in Niedersachsen hat nach dem Suizid des mutmasslichen Sechsfachmörders von Stade scharfe Kritik am Justizministerium geübt und eine lückenlose Aufklärung verlangt. Wie der Spiegel berichtet, soll der 45-Jährige bereits nach seiner Festnahme Suizidabsichten geäussert haben. Nach Angaben aus Justizkreisen wird nun untersucht, ob seine Zelle videoüberwacht wurde und welche Schutzmassnahmen angeordnet waren.
Jean-Christophe Bott/Keystone
Die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, Carina Hermann, erklärte, ein akut suizidgefährdeter Häftling hätte rund um die Uhr beobachtet werden müssen. Sie warf Justizministerin Kathrin Wahlmann von der SPD eine «Häufung von Pannen und nicht erklärbaren Vorgängen» vor. Ministerpräsident Olaf Lies müsse eingreifen und für klare Führung sorgen. Andernfalls würden die Probleme der Ministerin zu seinen eigenen.
Der Verdächtige hatte sich in der Nacht zum Dienstag in Untersuchungshaft das Leben genommen. Nach dem Bericht gelang es ihm, sich mit einem Kleidungsstück in seiner Zelle zu erhängen. Er soll rund drei Wochen zuvor in einer Jugendhilfeeinrichtung sechs Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamts erschossen haben. Hintergrund war demnach ein Sorgerechtsstreit.
Die Staatsanwaltschaft setzt die Ermittlungen trotz des Todes fort. Sie untersucht weiterhin die Abläufe und Hintergründe der Tat. Auch gegen die Partnerin des Verdächtigen und die mutmassliche Fahrerin des Fluchtwagens wird ermittelt. Hermann erklärte, den Angehörigen werde nun die Möglichkeit einer vollständigen strafgerichtlichen Aufarbeitung genommen.