Marokko macht Falschinformationen in sozialen Netzwerken und die Fehlinterpretation eines spanischen Gerichtsurteils für den Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta verantwortlich. Das teilte das marokkanische Innenministerium mit und wies zugleich den Vorwurf zurück, der Grenzübertritt sei von marokkanischer Seite organisiert worden.
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Nach Angaben des marokkanischen Innenministeriums seien auf Plattformen wie Tiktok Gerüchte über eine angeblich geöffnete Grenze verbreitet worden. Zudem hätten viele Migranten ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs falsch interpretiert, wonach Migranten, die Ceuta schwimmend erreichen oder aus dem Meer gerettet werden, nicht mehr unmittelbar nach Marokko zurückgewiesen werden dürfen, sondern ihr Fall zunächst einzeln geprüft werden muss. Diese Kombination habe den spontanen Ansturm ausgelöst. Die Darstellung deckt sich nach marokkanischen Angaben mit der Einschätzung des spanischen Aussenministeriums. Gleichzeitig bekräftigte Rabat, weiterhin gegen illegale Migration vorzugehen.
Spanische Sicherheitskreise geben an, marokkanische Grenzpolizisten hätten sich kurz vor Beginn des Ansturms von Teilen der Grenze zurückgezogen. Mehrere Migranten berichteten spanischen und internationalen Medien zudem, sie seien nicht aufgehalten, sondern teilweise sogar zum Grenzübertritt ermuntert worden. Erst später hätten marokkanische Sicherheitskräfte mit Tränengas und Wasserwerfern eingegriffen, um den Zustrom einzudämmen. Für zusätzliche politische Brisanz sorgt der Zeitpunkt der Ereignisse. Wenige Tage vor dem Ansturm hatte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez die Beziehungen zu Algerien wieder intensiviert. Bereits 2021 war es nach einer Lockerung der marokkanischen Grenzkontrollen zu einem ähnlichen Massenansturm auf Ceuta gekommen.
Über das Ausmass des Ansturms machen Spanien und Marokko unterschiedliche Angaben. Madrid spricht von mehr als 50.000 beteiligten Menschen, Rabat von rund 40.000. Auch bei den Todesopfern weichen die Zahlen erheblich voneinander ab: Marokko meldet elf Tote, Spanien 72. Inzwischen habe sich die Lage weitgehend beruhigt: Spaniens Aussenminister José Manuel Albares erklärte, nahezu alle nach Ceuta gelangten Migranten seien inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Dennoch halten sich nach spanischen Angaben weiterhin rund 2500 Marokkaner in der Exklave auf.