Der tödliche islamistische Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day belastet laut einem Bericht des Welt-Korrespondenten Philipp Fritz das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. Das Todesopfer ist eine 65-jährige Polin aus Warschau. Nach Angaben des polnischen Aussenministeriums wurde die Nachricht mit «Bestürzung und tiefer Trauer» aufgenommen. Die Frau war gemeinsam mit ihrer Tochter zum CSD nach Berlin gereist. Der Attentäter fuhr mit einem Minivan in die Menschenmenge und verletzte 31 weitere Personen, darunter die Tochter des Opfers.
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Die polnische Regierung reagiert bislang zurückhaltend. In den sozialen Netzwerken dominieren jedoch scharfe Angriffe auf die deutsche Migrationspolitik. Nutzer bezeichnen den Täter ironisch als «Kulturbereicherer» oder «Ingenieur» und zeichnen das Bild eines Landes, in dem unkontrollierte Migration die öffentliche Sicherheit gefährde. Ministerpräsident Donald Tusk vertritt zwar selbst eine restriktive Migrationspolitik, doch nach Einschätzung von Fritz hat sich die Wahrnehmung Deutschlands in Polen auch über parteipolitische Grenzen hinweg verschlechtert.
Der Anschlag fügt sich aus polnischer Sicht in eine Reihe von Gewalttaten ein. Bereits 2016 war mit dem Lastwagenfahrer Lukasz Urban ein Pole das erste Todesopfer des Anschlags auf den Berliner Breitscheidplatz. 2023 sorgte zudem die Vergewaltigung eines polnischen Touristen in einer Münchner U-Bahn-Station durch einen Afghanen in Polen für grosses Aufsehen. Nach Darstellung von Fritz sind inzwischen mehr Polen in Deutschland Opfer islamistischer Anschläge geworden als in Polen selbst.
Die Entwicklung hat nach Einschätzung des Welt-Korrespondenten auch politische und gesellschaftliche Folgen. Das Sicherheitsgefühl vieler Polen habe sich verändert. 2025 seien erstmals mehr Menschen aus Deutschland nach Polen ausgewandert als umgekehrt. Polen zählt seit Jahren zu den sichersten Staaten der Europäischen Union, während Deutschland in Teilen der polnischen Öffentlichkeit zunehmend als Land wahrgenommen werde, in dem die öffentliche Ordnung nachlasse – von Gewalt in Freibädern bis hin zu Terroranschlägen. Der Schaden für das Deutschlandbild in Polen sei entsprechend gross.