Der Islam-Influencer Besnik K. sorgt mit Aussagen über Freibäder für Kritik. Der 32-Jährige aus der Innerschweiz erklärt auf der Plattform Tiktok, Badis seien «nichts für Muslime», und der Besuch solcher Anlagen widerspreche den Geboten des Islam. Darüber berichtet der Blick.
Der unter dem Namen «only1msg0» auftretende Influencer erreicht auf Tiktok mehrere Tausend Follower. In einem Video, das laut Blick mehr als 75.000 Mal aufgerufen wurde, begründet er seine Haltung damit, dass gläubige Muslime Orte meiden sollten, an denen viel nackte Haut zu sehen sei. «Allah hat uns befohlen, unsere Blicke zu senken. Unsere Scham zu bewahren», sagt er. Wer eine Badi besuche, «sündigt den ganzen Tag». Als Alternative empfiehlt er abgelegene Badestellen.
Michael Buholzer/Keystone; Screenshot TikTok
Scharfe Kritik kommt von der Islamismus-Expertin Saïda Keller-Messahli. Im Blick bezeichnet sie die Ansichten des Influencers als extremistisch und spricht von einem «radikalen Salafisten». Salafisten würden sich an einer möglichst ursprünglichen Auslegung des Islam orientieren und moderne gesellschaftliche Entwicklungen häufig ablehnen. Keller-Messahli wirft dem Tiktok-User vor, andere Lebensweisen pauschal als falsch oder sündhaft darzustellen. Besonders problematisch seien die gesellschaftlichen Folgen solcher Botschaften.
Die Expertin sieht in den Videos eine «Wir-gegen-sie-Mentalität», die Menschen in richtige und falsche Gläubige einteile. Solche Denkmuster könnten insbesondere bei jungen Nutzern zur Radikalisierung beitragen. Gerade auf Plattformen wie Tiktok würden konservative oder islamistische Inhalte oft grosse Reichweiten erzielen und Orientierung versprechen.
Der Influencer selbst äusserte sich gegenüber dem Blick zwar ausführlich zu seinen Ansichten, wollte sich jedoch nicht zitieren lassen. Der Fall reiht sich in eine breitere Debatte über den Einfluss konservativer islamischer Prediger in sozialen Netzwerken ein. Laut Recherchen in mehreren europäischen Ländern gewinnen entsprechende Inhalte insbesondere bei jungen Nutzern zunehmend an Aufmerksamkeit.