Ein halbes Jahr nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 41 Toten und 115 Verletzten hat Gemeindepräsident Nicolas Féraud Fehler im Umgang mit den Opfern eingeräumt. Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung sagte der FDP-Politiker: «Mir hat es an Menschlichkeit gefehlt, als so viele Menschen sie gebraucht hätten.» Er bezog sich damit auf die erste Medienkonferenz wenige Tage nach dem Brand, bei der er keine Entschuldigung ausgesprochen hatte.
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Féraud erklärte, die Gemeindeführung sei damals ausschliesslich darauf konzentriert gewesen, den Sachverhalt aufzuklären. «Wir waren völlig auf die Wahrheit fokussiert. Es gab so viele Informationen, viele davon falsch, die seit Tagen kursierten. Unser einziges Ziel war es, zu sagen, was wir wussten», sagte er. Rückblickend räumte er ein: «Ja, uns hat es in dieser Angelegenheit an Klarheit gefehlt. Wir waren ratlos, erschöpft und von dieser Tragödie erschüttert.» Zudem habe die Gemeinde damals gerade erst erkannt, «dass es bei den Brandschutzkontrollen Versäumnisse gegeben hatte».
Gegen Féraud und vierzehn weitere Personen läuft ein Strafverfahren wegen der Brandkatastrophe. Die Bar «Le Constellation» war seit 2019 entgegen den Vorschriften nicht mehr jährlich auf den Brandschutz kontrolliert worden. Einen Rücktritt lehnt der Gemeindepräsident derzeit dennoch ab. «Heute muss die Gemeinde funktionieren», sagte er. Er wolle «weiter für Crans-Montana kämpfen», schliesse einen späteren Rücktritt aber nicht grundsätzlich aus. Sein «einziges Interesse» sei, «dass wir die Wahrheit finden. Das verdienen die Familien.» Die strafrechtliche Verantwortung müsse nun die Justiz klären. «Ich werde meine übernehmen.»
Féraud zeigte sich überzeugt, dass ihm viele Einwohner weiterhin Vertrauen entgegenbringen. Die Gemeinde arbeite an einem Erinnerungsort für die Opfer, einem neuen Sicherheitskonzept sowie einer Modernisierung ihrer politischen Strukturen. Gleichzeitig rechnet Crans-Montana mit hohen finanziellen Folgen. «Wir rechnen mit dem Ende des zivilrechtlichen Verfahrens in fünfzehn Jahren. Dann gibt es natürlich das Risiko, dass wir eine gewaltige Summe zahlen müssen», sagte Féraud. Die Gemeinde werde dafür Rückstellungen bilden, wolle aber zugleich dazu beitragen, dass die Opferfamilien nicht jahrelang auf Entschädigungen warten müssten.