Deutschland übernimmt 40 Prozent des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS, des Herstellers des Leopard-2-Kampfpanzers. Das bestätigte die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz nach monatelangen Verhandlungen mit den bisherigen Eigentümern. Berlin begründet den Einstieg mit dem Ziel, deutsche Interessen in einem strategisch wichtigen Unternehmen zu sichern. Angesichts des Kriegs in der Ukraine und der anhaltenden Bedrohung Europas durch Russland sei ein Ausbau der Fähigkeiten der Verteidigungsindustrie notwendig, erklärte ein Regierungssprecher gemäss Financial Times.
Kay Nietfeld/DPA/Keystone
KNDS gilt als grösster Panzerhersteller Europas und entstand aus dem Zusammenschluss des deutschen Unternehmens Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Rüstungskonzerns Nexter. Die deutsche Regierung erwirbt ihren Anteil von den deutschen Familiengesellschaftern, die bislang die Hälfte des Unternehmens hielten. Frankreich, das ebenfalls 50 Prozent an KNDS besitzt, soll seinen Anteil auf 40 Prozent reduzieren. Die verbleibenden 20 Prozent sollen im Rahmen eines Börsengangs an Investoren verkauft werden.
Parallel dazu einigten sich Berlin und Paris auf eine neue Führungs- und Eigentümerstruktur des Unternehmens. Beide Regierungen betonten in einer gemeinsamen Erklärung das Ziel, KNDS zu einem führenden europäischen und globalen Rüstungskonzern auszubauen. Die Einigung gilt auch als Versuch, die zuletzt belastete deutsch-französische Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie zu stabilisieren. Mehrere gemeinsame Grossprojekte, darunter die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation, waren in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten.
Der Einstieg des deutschen Staates ebnet zugleich den Weg für einen seit langem geplanten Börsengang. KNDS will die dafür notwendigen Unterlagen in den kommenden Tagen einreichen. Das Unternehmen wurde zeitweise mit bis zu zwanzig Milliarden Euro bewertet, zuletzt bewegten sich die diskutierten Bewertungen jedoch eher zwischen zwölf und fünfzehn Milliarden Euro. Die endgültige Bewertung soll von der Nachfrage der Investoren abhängen.
Die Beteiligung fügt sich in den Kurs der Bundesregierung ein, die ihre Rüstungsausgaben bis 2030 massiv ausweiten will. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, der Staat sichere damit «Schlüsseltechnologien, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland». Der Einstieg steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags.