60 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland rechnen bis 2030 mit einem weiteren Stellenabbau im Inland. Das geht aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Horváth unter tausend Firmen hervor, über die das Handelsblatt berichtet. Nach Berechnungen der Autoren könnten bereits in diesem Jahr bis zu 100.000 Industriearbeitsplätze wegfallen, insbesondere in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und im Baugewerbe.
Theo Heimann/DPA/Keystone
Laut der Umfrage wollen lediglich 16 Prozent der Unternehmen in Deutschland zusätzliche Stellen schaffen. Neue Arbeitsplätze entstehen gemäss den Angaben vor allem in Indien, China, Nordamerika, dem Nahen Osten, Afrika und anderen asiatischen Märkten. Als wichtigste Gründe nennen die Unternehmen hohe Personalkosten, steigende Energiepreise, hohe Steuern und eine schwache Nachfrage.
Horváth-Partner Ralf Sauter erklärte, das Geschäftsmodell der exportorientierten deutschen Industrie verändere sich. Produktion, Forschung und Entwicklung würden zunehmend international verteilt. Rund 40 Prozent der Investitionen flössen zwar weiterhin nach Deutschland, dienten jedoch überwiegend dem Erhalt bestehender Anlagen sowie der Automatisierung. Neue Kapazitäten mit zusätzlichen Arbeitsplätzen entstünden vor allem im Ausland.
Mehrere Unternehmen haben zuletzt entsprechende Investitionen angekündigt. Evonik will weitere 3200 Stellen abbauen. Boehringer Ingelheim investiert nach eigenen Angaben Milliarden in den USA und verzichtet auf geplante Investitionen in Deutschland. Siemens Energy baut seine Produktion in den USA aus, Mercedes-Benz investiert ebenfalls in zusätzliche Fertigungskapazitäten in den Vereinigten Staaten. Viele Unternehmen verfolgen dabei nach eigenen Angaben das Prinzip, verstärkt dort zu produzieren, wo ihre Absatzmärkte wachsen.