Die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt in der Schweiz um gut ein Drittel über jener Deutschlands. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung von IWF-, OECD- und weiteren Wirtschaftsdaten, über die die Bild berichtet. Entscheidend sei nicht allein eine etwas höhere Produktivität, sondern vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Gaetan Bally/Keystone
Nach Angaben der Zeitung wuchs die Schweizer Wirtschaft 2025 real um rund 1,4 Prozent, während Deutschland nach zwei Rezessionsjahren lediglich auf 0,2 Prozent kam. Auch bei den Einkommen zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Der durchschnittliche Bruttojahreslohn lag laut OECD-Daten in der Schweiz bei rund 107.500 Euro, in Deutschland bei etwa 66.700 Euro. Trotz höherer Lebenshaltungskosten bleibt die Kaufkraft in der Schweiz höher. Ein wesentlicher Faktor ist die geringere Belastung durch Steuern und Sozialabgaben. Diese betrug 2025 in Deutschland rund 49,3 Prozent, in der Schweiz dagegen lediglich 23 Prozent.
Als Ursachen für Deutschlands schwächere Entwicklung nennen die zitierten Experten unter anderem Bürokratie, langwierige Bewilligungsverfahren, hohe Energiepreise sowie eine stockende Produktivitätsentwicklung. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber spricht von einer «Erneuerungskrise» und fordert mehr Investitionen, technologische Innovationen und Qualifizierung. Industrieexperte Martin Gornig sieht einen weiteren Unterschied darin, dass die Schweiz trotz hoher Standortkosten technologisch anspruchsvollere und höherwertige Produkte hervorbringt.
Die Schweizer Wirtschaft stützt sich heute besonders auf Pharma, Chemie, Medizintechnik, Präzisionstechnik und Finanzdienstleistungen. Hinzu kommen vergleichsweise tiefe Staatsschulden und solide Staatsfinanzen. Nach Einschätzung der in der Bild zitierten Experten trägt diese Kombination wesentlich dazu bei, dass die Schweiz Krisen bislang besser bewältigt als die grösste Volkswirtschaft Europas.