Die wachsende Polarisierung der Gesellschaft gefährdet nach Ansicht von Verteidigungsminister Boris Pistorius die Sicherheit Deutschlands. «Ich bin fest davon überzeugt: In einem Land, in dem gesellschaftlicher Zusammenhalt zerstört wird, in dem Polarisierung um sich greift, gibt es keine Sicherheit. Weder nach innen noch nach aussen», sagte der SPD-Politiker bei der «Helmut Schmidt Lecture» in Berlin.
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Pistorius warnte davor, politische und gesellschaftliche Probleme auf die lange Bank zu schieben. Wer Verantwortung trage, dürfe Herausforderungen bei Rente, Infrastruktur, Bildung, Klimaschutz und Sicherheit nicht vertagen. Sicherheit sei keine Aufgabe der Streitkräfte allein, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung. «Ein Land wird verteidigungsfähig, wenn Verwaltung, Wirtschaft und die Menschen in diesem Land widerstandsfähig sind», sagte der Minister mit Verweis auf die Erfahrungen der Ukraine.
Als Vorbild nannte Pistorius Finnland. Das Land mit rund 5,5 Millionen Einwohnern verfüge über etwa 900.000 Reservisten, was rund 16 Prozent der Bevölkerung entspreche. In Deutschland liege dieser Anteil derzeit bei etwa 1 Prozent. Zudem könnten sich in Finnland fast 80 Prozent der Bürger vorstellen, ihr Land im Ernstfall zu verteidigen. Rund 55.000 Schutzräume und Bunkeranlagen bieten dort nach Angaben des Ministers Platz für etwa 85 Prozent der Bevölkerung.
Dennoch machte Pistorius deutlich: Die Fähigkeit zur Landesverteidigung beginne nicht erst bei Waffen und Soldaten. Entscheidend seien gesellschaftlicher Zusammenhalt, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, für das Gemeinwesen einzustehen. Ohne diese Grundlagen lasse sich Sicherheit weder nach innen noch nach aussen dauerhaft gewährleisten.