Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat der Europäischen Union vorgeworfen, von Beitrittskandidaten bedingungslosen Gehorsam zu verlangen und sich in die inneren Angelegenheiten seines Landes einzumischen. Wer nicht auf Linie sei, werde ausgegrenzt, sagte Vucic in einem Interview mit der Weltwoche: «Du musst vollkommen gehorsam sein in allem, sonst bist du raus aus dem Team.» Abweichende Meinungen seien unerwünscht: «Es ist verboten, etwas anderes zu sagen.»
Andrej Cukic/EPA/Keystone
Als kleines Land werde Serbien nicht gehört. In fünf Jahren sei auf Serbiens EU-Weg «nicht ein einziges Kapitel» eröffnet worden – Grund sei die fehlende Angleichung an die EU-Erklärungen gegen Russland.
Schwere Vorwürfe erhob Vucic auch mit Blick auf die Massenproteste in Serbien. «Viele Länder der Europäischen Union waren stark beteiligt an diesen Protesten», sagte er, «und sie haben unsere Gegner sehr unterstützt.»
Namentlich nannte Vucic die EU-Kommissarin Marta Kos, die die Studentenproteste mehrfach als Ausdruck der «Ideen und Werte des modernen Europas» bezeichnet habe. Auf die Frage, ob Gewalt gegen politische Gegner mit europäischen Werten vereinbar sei, habe man «nie Antworten erhalten». Hätten seine Anhänger dasselbe getan, «wären wir streng bestraft worden».
Hintergrund der Proteste war ein Einsturz eines Vordachs am Bahnhof von Novi Sad mit 16 Toten.
Das ganze Interview sehen Sie hier.