Der türkische Aussenminister Hakan Fidan hat Israel wenige Tage vor dem Nato-Gipfel in Ankara mit scharfen Worten angegriffen. In einem Interview mit CNN Türk bezeichnete er den jüdischen Staat als «gemeinsames Problem der Menschheit» und erklärte: «Diese Menschen sind mit ihrer Politik und ihrer Denkweise zu einer Last geworden, die die Menschheit nicht länger tragen kann.» Das Transkript des Gesprächs veröffentlichte das türkische Aussenministerium. Israels Aussenminister Gideon Saar sprach auf der Plattform X von einem «Aufruf zum Völkermord».
Amr Nabil/AP/Keystone
Mehrere Tage nach den Äusserungen reagierte auch die Bundesregierung. Bundesaussenminister Johann Wadephul bezeichnete die Aussagen als «vollkommen unangemessen», wie die Bild berichtet. Israel sei einer anhaltenden Bedrohung aus der Region ausgesetzt und habe «das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung zu schützen». Wadephul kündigte zudem an, vor Beginn des Nato-Gipfels nach Israel zu reisen und dort seinen israelischen Amtskollegen Gideon Saar zu treffen. Ziel sei es auch, einen Beitrag zur Verständigung zwischen Israel und der Türkei zu leisten.
Zuvor hatte der europapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Markus Töns, erklärt, mit Fidans Äusserungen sei eine «rote Linie überschritten» worden. Auch die Linke kritisierte die Aussagen. Die aussenpolitische Sprecherin Cansu Özdemir bezeichnete sie als «inakzeptable Rhetorik» und «entmenschlichend». Gleichzeitig warf sie der Bundesregierung vor, Menschenrechtsverletzungen und Verstösse gegen das Völkerrecht je nach Partnerstaat unterschiedlich zu bewerten.