Der Kreml bezeichnet den Krieg gegen die Ukraine nicht mehr nur als «militärische Spezialoperation». Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte in einem Interview mit dem staatlichen russischen Nachrichtendienst Westi: «Es herrscht Krieg – ein echter Krieg.» Zur Begründung verwies er auf die Unterstützung der Ukraine durch westliche Staaten. Berlin, Paris, Den Haag, Oslo und «leider auch Washington» stünden hinter Kiew und unterstützten die Zielerfassung sowie den Einsatz westlicher Waffensysteme gegen Russland.
Sputnik/Keystone
Mit der Wortwahl vollzieht Moskau einen bemerkenswerten rhetorischen Kurswechsel. Seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 hatte Präsident Wladimir Putin den Angriff konsequent als «militärische Spezialoperation» bezeichnet. Die öffentliche Verwendung des Begriffs «Krieg» im Zusammenhang mit der Ukraine konnte in Russland strafrechtliche Folgen haben. Peskow begründet den neuen Sprachgebrauch damit, dass sich der Konflikt durch die Unterstützung des Westens grundlegend verändert habe. «Alles begann als militärische Spezialoperation. Inzwischen geht es als Krieg weiter», sagte er.
Der Kurswechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine ihre Angriffe auf Ziele im russischen Hinterland ausweitet. Ukrainische Drohnen treffen nach russischen Berichten zunehmend Öl- und Gasanlagen sowie andere Infrastruktur. Die Auswirkungen sind inzwischen auch im russischen Alltag spürbar. Berichtet wird über Treibstoffengpässe, lange Warteschlangen an Tankstellen und wiederkehrende Stromausfälle. Besonders betroffen ist die seit 2014 von Russland annektierte Krim, wo Militärstützpunkte, Raffinerien und Brücken regelmässig angegriffen werden.
Unverändert setzt auch Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj setzte Russland innerhalb einer Woche rund 2200 Angriffsdrohnen, mehr als 1730 gelenkte Fliegerbomben und 106 Raketen verschiedener Typen ein. Dabei seien mehr als siebzig Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.