Die ungarische Schach-Grossmeisterin Judit Polgar hat eine Kandidatur für das Amt der Staatspräsidentin abgelehnt. Polgar erklärte in einem öffentlichen Schreiben in den sozialen Medien, sie fühle sich nicht in der Lage, «die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen». Deshalb könne sie die Einladung von Ministerpräsident Péter Magyar nicht annehmen.
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Magyar hatte zuvor angekündigt, Polgar um die Übernahme des Staatsamtes zu bitten. Auf Facebook erklärte der Regierungschef, Ungarn brauche «Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können». Der Name der 49-Jährigen war zuvor in einem offenen Brief von Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft als Kandidatin vorgeschlagen worden. Zu den Unterzeichnern gehörte auch Zauberwürfel-Erfinder Ernő Rubik.
Polgar gilt als erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte. Während rund 25 Jahren führte sie die Weltrangliste der Frauen an und ist bis heute die einzige Frau, die den Sprung unter die zehn besten Schachspieler der Welt unabhängig vom Geschlecht schaffte. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem 2002 mit einem Sieg gegen den damaligen Weltklassespieler Garri Kasparow. Während ihrer Karriere sprach sie wiederholt über Vorurteile gegenüber Frauen im Spitzenschach. 2014 beendete sie ihre Laufbahn im Wettkampfsport.
Die Schach-Grossmeisterin verfügt über keine nennenswerten parteipolitischen Bindungen, geniesst aber in Ungarn hohes Ansehen. Gerade diese überparteiliche Stellung hatte sie für viele Befürworter zu einer möglichen Integrationsfigur gemacht.
Die Suche nach einem neuen Staatsoberhaupt erfolgt nach dem Ausscheiden von Tamás Sulyok. Der bisherige Präsident, der als Vertrauter des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán galt, verlor sein Amt infolge einer vom Parlament verabschiedeten Verfassungsänderung.
Sulyok kritisierte den Schritt zwar öffentlich, erklärte jedoch, ihm stünden keine rechtlichen Mittel dagegen zur Verfügung.