Die Schweizer Armee ist mutmasslich Ziel eines Spionageversuchs mit Drohnen über einer besonders sensiblen Militäranlage im Emmental geworden. Armeechef Benedikt Roos bestätigte, dass die Urheber bis heute unbekannt sind. Hinter den Drohnenflügen vermutet er jedoch keine Anfänger: «Das ist kein Lausbubenstreich mehr. Da braucht es schon ein bisschen Know-how, damit man Drohnen – von weiss ich woher – über kritische Infrastruktur schicken kann, und dann verschwinden sie wieder, und wir haben keine Ahnung, wer das ist», sagte Roos. Dennoch führen weder die Bundesanwaltschaft noch die Militärjustiz derzeit ein Verfahren.
Peter Schneider/Keystone
Nach Recherchen der Sonntagszeitung handelt es sich bei der betroffenen Anlage um die Kaserne Jassbach im Emmental. Dort bildet die Armee Spezialisten für Cyberabwehr und Funkaufklärung aus. Unweit des Waffenplatzes befindet sich zudem die Abhöranlage Wolfrichti, die als potenzielles Ziel ausländischer Nachrichtendienste gilt. Bereits im Februar wurden dort während mehrerer Tage Drohnenformationen beobachtet. Die Drohnen konnten weder abgefangen noch ihre Betreiber identifiziert werden. Auch über dem Militärflugplatz Meiringen, dem künftigen Standort der F-35-Kampfjets, registrierte die Armee ähnliche Vorfälle und vermutet ebenfalls Spionage.
Die Vorfälle legen zugleich Schwächen bei der Schweizer Drohnenabwehr offen. Nach Angaben der Armee stehen derzeit nur beschränkte Mittel zur Verfügung, um verdächtige Drohnen zu erkennen oder abzufangen. Ein spezielles Drohnenbataillon befindet sich erst im Aufbau, moderne Abwehrsysteme gegen militärische Drohnen sind noch nicht einsatzbereit. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass Drohnen nicht nur zur Aufklärung eingesetzt werden können, sondern auch Daten erfassen oder Kommunikation stören. Laut dem International Institute for Strategic Studies wurden zwischen August 2024 und Februar 2026 europaweit 144 verdächtige Drohnenvorfälle mit möglichem Bezug zu Russland registriert.