Washington könnte die geplante Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an Deutschland stoppen. Das berichten mehrere europäische und amerikanische Regierungsvertreter. Nach Angaben der Zeitung Die Welt befürchten Verantwortliche im Pentagon, Russland könnte die Stationierung der weitreichenden Präzisionswaffen in Deutschland als Eskalation werten.
Damit stünde ein unter der Regierung von Präsident Joe Biden vorbereitetes Vorhaben vor dem Aus. Die Bundesregierung betrachtet Mittelstreckenwaffen als wichtige Ergänzung ihrer Abschreckungsfähigkeit gegenüber Russland. Deutschland hatte vor rund eineinhalb Jahren offiziell Interesse am Kauf von Tomahawk-Raketen angemeldet und wartet nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius bis heute auf eine Antwort aus Washington.
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Neben möglichen politischen Folgen spielen offenbar auch militärische Erwägungen eine Rolle. US-Vertreter verweisen auf stark beanspruchte Munitionsbestände. Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Konflikten grosse Mengen an Tomahawk-Marschflugkörpern und Patriot-Abfangraketen eingesetzt. Pentagon-Chef Pete Hegseth erklärte vor dem Kongress, die Wiederauffüllung der Lager werde Monate bis Jahre in Anspruch nehmen.
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der die USA ihre militärische Präsenz in Europa neu bewerten. Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich kündigte an, Kräfte und Ausrüstung würden neu ausgerichtet. Ziel sei es, den europäischen Verbündeten mehr Verantwortung für die konventionelle Verteidigung des Kontinents zu übertragen. Auch die bereits geplante Verlegung von 5000 US-Soldaten nach Deutschland wurde gestoppt.
In Berlin wächst damit der Druck, Alternativen für weitreichende Präzisionswaffen zu finden. Russische Iskander-Systeme in Kaliningrad und neue Mittelstreckenraketen in Belarus verstärken die Sorge über militärische Fähigkeitslücken in Europa. Deutsche Vertreter prüfen deshalb neben US-Systemen auch europäische Lösungen. Im Zentrum steht die Frage, wie rasch Deutschland Ziele auf grosse Distanz bekämpfen kann – durch Kauf, Kooperation oder eigene Entwicklung.