Russische Truppen haben ihre Angriffe auf die ostukrainische Stadt Kostjantyniwka verstärkt und erhöhen damit den Druck auf einen der strategisch wichtigsten ukrainischen Brückenköpfe im Donbass. Nach Angaben ukrainischer Militärs operieren russische Soldaten bereits innerhalb des Stadtgebiets und versuchen gleichzeitig, die Stadt von mehreren Seiten einzukreisen.
Keystone
Kostjantyniwka gilt als entscheidender Verkehrsknotenpunkt auf dem Weg zu den letzten grossen ukrainischen Hochburgen im Osten des Landes, Kramatorsk und Slowjansk. Sollte die Stadt fallen, könnte Russland seinem Ziel näherkommen, die gesamte Donbass-Region unter Kontrolle zu bringen. Ukrainische Soldaten beschrieben die Lage gegenüber der BBC als zunehmend schwierig. Teile der Stadt seien faktisch zu einer «Grauzone» geworden, in der keine Seite mehr die vollständige Kontrolle ausübe.
Die ukrainische Armeeführung weist Darstellungen einer unmittelbar bevorstehenden Einnahme zurück. General Oleksandr Bakulin, Kommandeur des für die Verteidigung zuständigen Korps, erklärte, die Situation sei weiterhin unter Kontrolle, und der Gegner habe keine entscheidenden Erfolge erzielt. Zugleich räumte er ein, dass sich weiterhin russische Soldaten innerhalb der Stadt befänden. Andere ukrainische Offiziere schildern die Lage deutlich ernster und berichten von einer stetig wachsenden russischen Präsenz.
Nach Einschätzung ukrainischer Militärs setzt Russland auf eine Taktik, die bereits bei früheren Offensiven im Donbass angewandt wurde: Statt eines direkten Frontalangriffs sollen die Flanken gesichert, Nachschubwege abgeschnitten und die Stadt schrittweise eingekesselt werden. Russische Einheiten seien zuletzt auch westlich von Kostjantyniwka vorgerückt.
Gleichzeitig klagen ukrainische Soldaten über Personalmangel, fehlende Verstärkungen und zunehmenden Druck durch russische Drohnen. Die Versorgung der Front werde immer schwieriger. Beobachter des ukrainischen Analyseprojekts Deep State sprechen von einer kritischen Lage und warnen, der Fall der Stadt könne die gesamte ukrainische Verteidigungslinie im nördlichen Donbass erschüttern.