Ein als Verschlusssache eingestuftes Dokument des Verteidigungsministeriums skizziert den Aufbau einer Bundeswehr mit bis zu 460.000 Soldatinnen und Soldaten im Verteidigungsfall. Wie Telepolis berichtet, stellte Generalinspekteur Carsten Breuer das Papier mit dem Titel «Verteidigungsaufstellung 2029» dem Verteidigungsausschuss des Bundestags vor. Demnach soll die Truppe bis 2029 so aufgestellt werden, dass sie auf einen möglichen Bündnisfall vorbereitet ist. Hintergrund ist die Einschätzung von Nato und Bundesverteidigungsministerium, Russland könnte ab diesem Zeitpunkt zu einem Angriff auf Nato-Gebiet in der Lage sein.
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Nach den Plänen soll die Bundeswehr im Ernstfall auf rund 260.000 aktive Soldaten und etwa 200.000 Reservisten anwachsen. Derzeit verfügt sie nach offiziellen Angaben über rund 185.600 aktive Militärangehörige. Die Reserve soll deshalb deutlich stärker in die regulären Strukturen eingebunden werden. Diskutiert werden unter anderem eine Grundbeorderung bis zum 65. Lebensjahr sowie Änderungen bei den bisherigen Freiwilligkeitsregeln für Reserveübungen.
Im Verteidigungsfall würden zivile Unterstützungsaufgaben der Bundeswehr, etwa bei Hochwasser, Waldbränden oder anderen Katastrophen, weitgehend entfallen. Personal und Material würden konsequent auf militärische Aufgaben ausgerichtet. Gleichzeitig rechnen Militärplaner damit, dass Deutschland als logistische Drehscheibe innerhalb von sechs Monaten bis zu 800.000 alliierte Soldaten und 200.000 Fahrzeuge an die Nato-Ostflanke verlegen müsste. Experten verweisen dabei auf erhebliche Herausforderungen bei Infrastruktur, Transportkapazitäten und der Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius verfolgt das Ziel, Deutschland zur «konventionell stärksten Armee Europas» auszubauen. Ob die angestrebte Truppenstärke bis 2029 tatsächlich erreicht werden kann, gilt jedoch als offen. Das Konzept soll nach Angaben des Berichts mindestens einmal jährlich überprüft und an die sicherheitspolitische Lage angepasst werden.