Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, die deutsche Rüstungsindustrie jahrelang bewusst an den Rand gedrängt zu haben. Auf dem Welt-Sicherheitsgipfel sagte der Vorstandsvorsitzende des Rüstungskonzerns, Merkel habe ihm erklärt: «Wir brauchen euch eigentlich nicht – wenn es ein Problem gibt, rufen wir die Amerikaner an.» Die Abhängigkeit von den USA sei damals politisch gewollt gewesen.
Papperger sagte, vor dem russischen Angriff auf die Ukraine habe es in Deutschland «keinen grossen Bedarf an Waffensystemen» gegeben. Rheinmetall und andere Rüstungsunternehmen seien «in die Schmuddelecke gestellt» worden, «weil wir als Industrie exportiert haben». «Man wollte uns hier in Deutschland eigentlich gar nicht haben», erklärte der Konzernchef. Erst mit der von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufenen «Zeitenwende» habe sich die Haltung der Politik grundlegend geändert.
Mit Blick auf die heutige Sicherheitspolitik forderte Papperger ein deutlich höheres Tempo. «Geschwindigkeit ist der entscheidende Punkt», sagte er. Rheinmetall habe für rund eine halbe Milliarde Euro ein neues Artilleriewerk gebaut, bislang aber nur einen Auftrag über 200.000 Schuss Munition aus Deutschland erhalten. «Wir brauchen dringend mehr Planungssicherheit. Viele Verträge sind Rahmenverträge, keine festen Zusagen. Das muss sich ändern.»
Zugleich verwies der Konzernchef auf den Ausbau der Produktion. Rheinmetall habe seine Kapazität bei Artilleriemunition von jährlich 70.000 auf eine Million Schuss erhöht und die USA bei konventioneller Munition inzwischen überholt. «Wir sind besser, als die Pessimisten in Deutschland denken», sagte Papperger.