Mit der Übernahme der EU-Rats-Präsidentschaft durch Irland rücken nach Einschätzung von Sicherheitsexperten und Politikern erhebliche Defizite bei der Verteidigungsfähigkeit des Landes in den Fokus. Dies berichtet die Zeitung Die Welt. Die irische Regierung betont zwar, auf die sechsmonatige Präsidentschaft vorbereitet zu sein, doch Abgeordnete und Fachleute verweisen auf Schwächen beim Schutz kritischer Infrastruktur, im Luftraum sowie im Cyberbereich.
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Auslöser der Debatte ist unter anderem ein Sicherheitsvorfall vom Dezember 2025. Beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden entlang der Flugroute seiner Maschine fünf nicht identifizierte Drohnen registriert, obwohl die irische Marine das Gebiet überwachen sollte. Der liberale Europaabgeordnete Barry Andrews erklärte, der Vorfall habe gezeigt, «wie verwundbar uns hochrangige politische Besuche machen». Mit der Ratspräsidentschaft rücke Irland «ins Fadenkreuz».
Während der Präsidentschaft organisiert Dublin unter anderem das Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft sowie 22 informelle Ministertreffen. Damit trägt das Land Verantwortung für den Schutz zahlreicher Staats- und Regierungschefs sowie sensibler Einrichtungen.
Irland gilt militärisch als Schlusslicht der Europäischen Union. Nach Regierungsangaben beliefen sich die Verteidigungsausgaben 2025 auf 1,35 Milliarden Euro beziehungsweise rund 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Land verfügt weder über eigene Kampfjets noch über ein einsatzbereites militärisches Luftraumradar. Die Marine besitzt acht Schiffe, von denen jeweils vier verfügbar sein sollen.
Die Regierung verweist dagegen auf steigende Investitionen. Für das laufende Jahr sind 1,5 Milliarden Euro für die Verteidigung vorgesehen. In den kommenden fünf Jahren sollen weitere 1,7 Milliarden Euro in Ausrüstung, Drohnenabwehr und maritime Sicherheit fliessen. Zudem wurde das Sicherheitsabkommen mit Grossbritannien erweitert, um bei Bedarf britische Fähigkeiten zur Drohnenabwehr während der Ratspräsidentschaft einsetzen zu können. Die Regierung kündigte ausserdem an, die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik während ihres Vorsitzes zu einem Schwerpunkt zu machen.