In einer öffentlichen Diskussion an der King’s-College-Universität in London wurde die Frage gestellt, ob der Westen durch seine Aussenpolitik Russlands Invasion der Ukraine provoziert habe. Unter dem Vorsitz von Chatham-House-Direktorin Bronwen Maddox diskutierten der ehemalige britische Botschafter in Moskau Tony Brenton und der renommierte Historiker Lawrence Freedman gegensätzliche Positionen.
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Brenton argumentierte, der Westen habe durch die Nato-Osterweiterung und gebrochene Zusagen gegenüber Russland «notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingungen» für den Krieg geschaffen. Insbesondere das Versprechen von 1990, die Nato nicht «einen Inch» nach Osten zu erweitern, sei in Moskau als bindend betrachtet worden – obwohl es nie vertraglich fixiert war. Als Beispiel nannte Brenton das Nato-Versprechen beim Gipfel 2008 in Bukarest, wonach die Ukraine Mitglied werden solle – ein Schritt, den Putin klar als «direkte Bedrohung» bezeichnet habe.
Freedman widersprach: Russland führe einen Angriffskrieg, der durch nichts gerechtfertigt sei. Selbst wenn sich Russland durch den Westen bedroht gefühlt habe, bleibe dies eine Erklärung, aber keine Entschuldigung. «Putin will keine Freundschaften verhindern, sondern die ukrainische Eigenstaatlichkeit auslöschen», so Freedman. Der Verweis auf die Nato sei oft nur rhetorisches Mittel dafür, eine imperiale Agenda zu kaschieren.