In seinem neuen Buch «Du bist nicht allein» plädiert Focus-Kolumnist Jan Fleischhauer für eine Wiederentdeckung der gesellschaftlichen Mitte. Im Interview mit der Welt wirft er den etablierten Medien vor, die Lebensrealität der normalen Bevölkerung zunehmend entwertend abzubilden und sich in Moralisierung statt Neugier zu flüchten.
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Fleischhauer beschreibt die gesellschaftliche Mitte als das «normale Deutschland», das sich soziologisch klar vom grossstädtisch-medialen Milieu unterscheidet. Der Vorstädter oder Dörfler werde in Medien und Kultur oft als Rückschrittssymbol oder «Tatort»-Täter gezeichnet. Die Wahrnehmung, am Rand zu stehen, betreffe längst eine Mehrheit der Bürger, die sich in Magazinen wie der Zeit oder dem Spiegel nicht mehr wiederfinden.
Ein zentraler Kritikpunkt Fleischhauers gilt dem heutigen Journalismus. Statt unvoreingenommen Fragen zu stellen und Verschiebungen wie den Rechtsruck zu analysieren, dominiere ein berufsständisches Abwehrritual zur «Demokratieverteidigung». Medien böten ein Entlarvungs- statt Erkenntnisinteresse.
Als Beispiel nennt er den Umgang mit AfD-Politikern wie Alice Weidel oder Björn Höcke: Anstatt die Dynamik ihrer Erfolge analytisch zu durchdringen, flüchte der Diskurs in Dämonisierung und vorsorgliche Distanzierungen. Dadurch verpasse der Journalismus nicht nur das Phänomen selbst, sondern nehme der AfD auch jegliches komödiantische Potenzial.
Den Grünen bescheinigt Fleischhauer einen Überschuss an politischem Kitsch und Untergangspathos. Er plädiert stattdessen für Humor, Selbstironie und gelassene Distanz. Sein Buch begreift er als überdauernde Alltagssoziologie und Trostangebot für alle, die sich in der aktuellen Debattenkultur heimatlos fühlen.
Auf die Frage, was er von der Idee halte, den Schauspieler Hape Kerkeling zum Bundespräsidenten zu machen, schlägt sich Jan Fleischhauer gleich selbst als Alternative vor: «Wenn Kerkeling Chancen hat, dann rechne ich mir auch welche aus.»