Europa verschärft den Druck auf die Fifa: Nach der Boykottdrohung mehrerer europäischer Fussballverbände gegen den geplanten Verkauf eines Anteils am kommerziellen Geschäft des Weltfussballverbands fordert Europarats-Generalsekretär und Altbundesrat Alain Berset verbindliche Regeln für die Führung des internationalen Fussballs. Zu Politico sagte Berset, der Konflikt sei «keine Fussballgeschichte, sondern eine Geschichte über Regeln». Fussball brauche «keinen Aktionär, sondern klare Regeln».
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Berset begründete seine Kritik mit grundlegenden Fragen der Verbandsführung. Entscheidend sei, wer im Weltfussball die Regeln festlege, sie anwende und bei Bedarf ändere. Der Europarat wolle deshalb Anfang November gemeinsam mit den europäischen Sportministern in Monaco Gespräche über ein verbindliches Integritätsrahmenwerk für die Weltmeisterschaft 2030 aufnehmen.
Die Kritik des ehemaligen Bundesrats kommt nicht überraschend. Bereits Mitte Juli hatte Berset nach der Weltmeisterschaft 2026 tiefgreifende Reformen der Fifa verlangt. Er kritisierte damals unter anderem die nach politischer Intervention aufgehobene Sperre gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun, rassistische Anfeindungen gegen Spieler, politischen Einfluss auf sportliche Entscheide sowie die Zulassung von Sportwettenanbietern in den WM-Stadien. Wenn Regeln unter äusserem Druck verändert würden, leide die Glaubwürdigkeit des gesamten Wettbewerbs, argumentierte Berset. Der Europarat habe bereits in der Vergangenheit Sportkrisen mit verbindlichen internationalen Abkommen beantwortet – etwa nach der Heysel-Katastrophe, im Kampf gegen Doping oder gegen Wettmanipulationen.
Die Fifa erklärte am Donnerstag, sie respektiere die Kritik an den Privatisierungsplänen, halte aber am Konsultationsverfahren mit ihren Mitgliedsverbänden fest. Auch Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter stellte sich hinter die Boykottdrohung der Uefa. In Brüssel prüft die EU-Kommission zudem, ob die Pläne wettbewerbsrechtliche Fragen aufwerfen könnten. Konkrete Untersuchungen laufen nach Angaben der Kommission derzeit jedoch nicht.