Rheinmetall-Chef Armin Papperger warnt vor einem möglichen Ausstieg Frankreichs aus dem deutsch-französischen Panzerprojekt MGCS. Im Gespräch mit der Welt am Sonntag sagte der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Rüstungskonzerns, nach seinen Informationen plane Paris, das Budget für das Vorhaben massiv zu kürzen. «Eine Gefahr ist immer da, aber es ist noch nichts entschieden», erklärte Papperger mit Blick auf ein mögliches Scheitern des Projekts.
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Nach Angaben des Rheinmetall-Chefs wird in Frankreich über eine Reduktion des vorgesehenen Finanzrahmens auf weniger als die Hälfte der bisherigen Planungen diskutiert. Endgültige Entscheidungen gebe es bislang nicht. Eine deutliche Kürzung hätte nach Einschätzung Pappergers unmittelbare Folgen für Umfang und Zeitplan des Programms. Bereits heute verlaufe die Entwicklung schleppend. «Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, wird man nicht schneller, und wir sind jetzt schon sehr langsam», sagte er.
Das Main Ground Combat System (MGCS) wurde 2017 gemeinsam von Deutschland und Frankreich als Nachfolgeprojekt für den deutschen Leopard 2 und den französischen Leclerc-Kampfpanzer gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines neuen bodengebundenen Kampfsystems, dessen Einsatzbereitschaft derzeit erst für die 2040er Jahre vorgesehen ist. Nach Angaben Pappergers erhielten die vier beteiligten Unternehmen in den vergangenen rund zehn Jahren lediglich 25 Millionen Euro für das Programm.
Die Warnung erfolgt wenige Wochen nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS. Für Papperger ist offen, ob MGCS überhaupt realisiert wird. «Ich kann heute nicht sagen, ob es überhaupt ein MGCS geben wird», erklärte er. Die geplante Einführung liege in so weiter Ferne, dass Deutschland bereits an einer eigenen Zwischenlösung arbeite.
Rheinmetall und KNDS Deutschland entwickeln seit gut einem Jahr den Leopard 3. Der neue Kampfpanzer soll Anfang der 2030er Jahre verfügbar sein und die Zeit bis zu einem möglichen MGCS überbrücken. Unabhängig vom Schicksal des Gemeinschaftsprojekts sieht Papperger damit die Position Deutschlands als führender Panzerhersteller gesichert.
Zugleich kritisierte der Rheinmetall-Chef die weiterhin starke nationale Ausrichtung der europäischen Rüstungsindustrie. Politische Interessen und staatliche Einflussnahme erschwerten Zusammenschlüsse und gemeinsame Projekte. Die europäische Konsolidierung komme deshalb nur langsam voran – mit Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der Branche.